Neue Bilderbücher

Die Welt der Zahlen und ein zauberhafter Papierflieger

Feuilleton | aus FALTER 17/15 vom 22.04.2015

Zählen ist die Welt. Darum übt sich früh, wer zählen kann. Aber warum sind diese Zahlen bloß so schmal, warum haben sie weder Körper noch (dreidimensionalen) Raum? Ihrer kann man kaum habhaft werden, sind sie doch, sobald sie ausgesprochen wurden, Schall und Rauch. Wer schon einmal tausend Runden um einen Tisch gedreht hat, nur um zu fühlen, wie sich die 1000 anfühlt, der weiß, wovon hier die Rede ist.

Aleksandra Mizielinska und Daniel Mizielinski haben sich nach dem Erfolgstitel "Alle Welt", eine großartige Koordinate für alle an der Welt interessierten Kinder, nun des Themas Zahlen und Buchstaben für die Kleinsten angenommen. Sie machen das in detaillierter und visuell ansprechender Weise, das Zählen verkommt hier nicht zu einer pedantischen Angelegenheit. Ein Schäfchen sitzt an der Registrierkassa, und zehn Exoten stehen Schlange. Wie hier wohl der Subtext lautet? MS

Antje Damm ist bekannt für ihre frechen Geschichten und ihre originelle Bildsprache. Für ihr neuestes Buch hat sich die deutsche Autorin und Illustratorin eine altmodisch wirkende Bebilderung einfallen lassen: Sie hat eine Kulisse aus Pappe gebaut, samt dazugehörigen Figuren, und diese dann abfotografiert. Elise ist eine ängstliche ältere Dame, die allein lebt. Konsequent ist die Welt ihrer vier Wände deswegen in Sepia gehalten. Als ein blauer Papierflieger durch ihr Fenster gesegelt kommt, ändert sich ihr Leben. Es wird nicht nur lebendiger, sondern auch bunter, denn der Bub, der seinen Flieger sucht, bringt auch Farbe in diese triste Bude.

In Zeiten, in denen viele Kinderbuchillustrationen am Computer entstehen (was freilich nicht heißt, dass sie weniger liebevoll oder fantasievoll sein müssen), eine bezaubernd umgesetzte Idee, die dem Medium Buch etwas Dreidimensionales, Räumliches verleiht. KB


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