Donaufestival: Sieben Minuten Killer sein

Das Theaterkollektiv Rimini Protokoll bettet in "Situation Rooms" den Zuschauer in die verstörende Welt der Waffen ein

Feuilleton | Preview: Sara Schausberger | aus FALTER 17/15 vom 22.04.2015

Du nimmst das iPad in die Hand und tauchst in das Leben eines Kindersoldaten im Kongo ein. Stell dir vor, du bist in einer Schule in Kinsangani, jeden Morgen wird die Fahne gehisst und die Hymne der Republik Zaire gesungen. Plötzlich hörst du Schüsse. "Auf den Boden", rufen die Lehrer, und du legst dich auf den Boden. In der dramatischen Fiktion von Rimini Protokoll bist du neun Jahre alt und kannst nicht fliehen.

Das deutsche Theaterkollektiv Rimini Protokoll macht in dem Stück "Situation Rooms" das Publikum zum Teil der Waffenindustrie, lässt den Zuschauer spüren, was es heißt, ein Kindersoldat, ein Hacker oder ein Kriegsfotograf zu sein. Alle sieben Minuten schlüpft das Publikum in eine neue Rolle, wird Sportschütze, Arbeiter in einer Waffenfabrik oder Manager eines internationalen Rüstungskonzerns.

Benannt wurde das Stück nach dem Situation Room im Weißen Haus, wo US-Präsident Barack Obama 2011 mit seinem Stab die Ermordung des Terroristen Osama Bin Laden am Bildschirm verfolgte.


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