KRIEGSENDE 8. MAI 1945

Das Tagebuch des Hansi Busztin

1942 deportieren die Nazis meine Urgroßeltern. Der jüngere Sohn kommt mit. Der Ältere versteckt sich in Wien. Meine Mutter gab mir seine Memoiren

Politik | Familiengeschichte: Anna Goldenberg | aus FALTER 17/15 vom 22.04.2015

Am 28. September 1942 gegen zehn Uhr vormittags ist die Wohnung in der Konradgasse 1 still und leer. Das ist ungewohnt, nachdem jahrelang 17 Personen in der Dreieinhalbzimmerwohnung im zweiten Bezirk zusammengepfercht gelebt hatten.

Nach und nach sind sie alle abtransportiert worden. Zur "Umsiedlung" in die "Ostgebiete". Im September 1942 erhält auch die Familie Busztin die gelbe Postkarte. Diese fordert Moritz Busztin auf, sich mit seiner Frau Rosalie und seinen Söhnen Hans und Herbert beim Sammellager in der Kleinen Sperlgasse 2a zu melden.

Drei Koffer stehen im Zimmer. Man will an eine Zwangsumsiedlung gerne glauben. Aus Theresienstadt kommen immerhin zensierte Postkarten. In Wien ist das Essen knapp.

Für große Emotionen sind alle zu aufgeregt. Es gibt Umarmungen, man wünscht einander viel Glück. Dann verlässt der knapp 17-jährige Hans die Wohnung allein. Im Haustor nimmt er die mit Sicherheitsnadeln befestigte Sakkotasche mit dem Judenstern ab. Auf der Taborstraße steigt er in


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige