Kinderbuch der Stunde

Vergesst Harry P., hier kommt Travis D.

Feuilleton | Isabella Grossmann | aus FALTER 17/15 vom 22.04.2015

Der 13-jährige Travis ist der geborene Detektiv, kein Wunder, war doch schon sein Großvater Geheimagent in Nordirland und Gründer eines Detektivbüros, das nach seiner Pensionierung von Travis' Eltern weitergeführt wurde. Die meisten Fälle, die sie bearbeiteten, waren wenig spektakulär - Versicherungsbetrüger überführen, bei Mitarbeiterdiebstählen ermitteln, Zeugen ausfindig machen. Und sie gingen keine unnötigen Risiken ein. Auf der Fahrt zu einem Klienten in London gerät der Wagen der Delaneys unerklärlicherweise ins Schleudern und prallt gegen einen Baum.

Bei der Beerdigung der Eltern taucht ein unbekannter Mann auf, eine Knopflochkamera an seinem Anzug macht Travis stutzig. Als kurz darauf das Detektivbüro seiner Eltern verwüstet und Unterlagen entwendet werden, ist sich Travis sicher, dass sie jemandem in die Quere gekommen waren.

Hat das Verschwinden eines vielversprechenden jungen Boxers - der letzte Fall, mit dem Travis' Vater befasst war - etwas mit dem Unfall zu tun? Trotz der lähmenden Trauer um seine Eltern beginnt der Bub auf eigene Faust zu ermitteln und sticht in ein Wespennest von rivalisierenden Geheimdienstagenten, Dschihadisten und einer mysteriösen Organisation namens Omega. "Das Leben ist hart genug, auch ohne unnötige Risiken": An diesen Rat seines Großvaters wird sich der Bub im Lauf der Handlung keinen Augenblick halten.

Kevin Brooks begibt sich mit seinem jungen Helden Travis Delaney in ein rasantes Intrigenspiel, das manchmal reichlich dick aufgetragen scheint. Die Dinge entwickeln sich einigermaßen glatt; ein 13-Jähriger, der die gewieften Agenten von MI5 und CIA austrickst, ist schon eher ein Anwärter für Joanne K. Rowlings Zaubererpersonal. Nichtsdestotrotz will man beim Lesen wissen, wie es weitergeht, und wird genauso durch die Handlung getrieben wie der junge Detektiv.

Die "ultimative Wahrheit" (so der englische Titel) kommt am Schluss doch nicht heraus, man darf also auf Teil zwei gespannt sein.


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