Kraut und Frieden

Wie man gegen die Kriegsjubiläumsberichterstattung ankochen kann

Stadtleben | Gerichtsbericht: Werner Meisinger | aus FALTER 18/15 vom 29.04.2015

'Sist wieder Krieg in allen Medien. Da denke ich kurz: Wann hören die endlich auf, die immer gleichen Bilder aus den APA- und Ullstein-Archiven zur höheren Schwärzung der Zeitungsseiten und Bildschirme zu exhumieren? Und denke dann länger an meinen Großvater, der an beiden Weltkriegen die Ehre hatte mitzuwirken und wunderbare Geschichten zu erzählen wusste. Über die kreative Küche beispielsweise, über Graupen an ihren eigenen Maden und verfaulte Krautkopf-Polonaise. Unter anderem.

Mir war das Auftauchen der ersten Bilder von Hitler vor der zerbombten Reichskanzlei darum gleich Anlass, Kraut und Graupen einzukaufen. Zur Würdigung des unermesslichen Luxus einer langen Friedenszeit. Man kann ja auch wunderbare Sachen daraus machen.

"Kochen für den Frieden" kann man damit allerdings nicht, obwohl das auch versucht wird, so wie man sich im Laufen für den Frieden versucht, Um-die-Welt-Radeln für den Frieden, Singen für den Frieden und wahrscheinlich auch im Häkeln für den Frieden.


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