Kunst Kritik

Hans im Glück: Schnaps in der Galerie

Lexikon | NS | aus FALTER 18/15 vom 29.04.2015

Der Mensch ist ein Narziss und spiegelt sich ständig in der Welt. Bereits seit vielen Jahren sammelt Hans Schabus Plakate, Werbungen, Souvenirs und Markenartikel, in denen sein so typisch österreichischer Vorname vorkommt.

Jetzt zeigt er diese originelle Kollektion in seiner Ausstellung "Autopsie mit Hubwagen". Dort trifft man zunächst auf das abmontierte Leuchtschild des Tschocherl "Café Hansi", das in der Nähe von Schabus' Atelier im 20. Bezirk liegt. Der Künstler hat nun bei Kerstin Engholm sein eigenes Hansi-Beisl als Holzbox in der Größe eines komfortablen Wohnwagens in der Galerie aufgebaut. Allerdings ist die Tür dazu während der regulären Öffnungszeiten versperrt.

Bleibt also nur, die Außenwände zu betrachten: Diese zieren ein wilder Mix von Hans-Söllner-Konzertplakaten, Lufthansa-Werbungen, Märchensujets wie "Hänsel und Gretel" und sogar der gute alte Han Solo von Star Wars als Plastikfigur. Aber was für Rohre führen da vom Café Hansi weg? Schabus dockt seine Wasserversorgung - inklusive WC - parasitär an den Waschraum der Galerie an.

Diese Kombination von Box und Wasserleitung lässt an die "unterirdischen" Strategien seiner früherer Ausstellungen denken, etwa in der Secession 2003 oder im Kunsthaus Bregenz 2004, wo er den Ausstellungsräumen mit architektonischen Umbauten oder Flutung zu Leibe rückte. Metaphorisch geht es in seiner Kunst immer wieder um Passagen, bei denen das Machen und Unterwegssein und nicht das Ankommen das eigentliche Ziel sind. Immer mittwochs ab 19 Uhr öffnet das "Café Hansi". Der Künstler schenkt dann den selbstgebrannten Schnaps seiner Verwandtschaft und Hansa Bier aus Dortmund aus. Nur so viel sei verraten, dass das coole Innenleben von Schabus' Café selbstverliebten Trieben durchaus nachgibt.

Galerie Kerstin Engholm, bis 16.6.


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