Kommentar Theaterkämpfe

Die Befreiung des Burgtheaters aus einem würdelosen Spiel

Falter & Meinung | Stefanie Panzenböck | aus FALTER 18/15 vom 29.04.2015

Wo befindet sich das moralisch tiefer stehende Theater -in Budapest oder in Wien? Der ehemalige Burgtheaterdirektor Matthias Hartmann fühlte sich 2013 bemüßigt, die Einladung des ungarischen Nationaltheaters auszuschlagen, weil "der gute Ruf des Burgtheaters nicht benützt werden darf, um den beschädigten Ruf der ungarischen Kulturpolitik zu reparieren".

An die Spitze des Budapester Theaters war gerade Attila Vidnyánszky gehievt worden, ein Verfechter der Orbán-Politik. Ein halbes Jahr später folgte die Revanche: Vidnyánszky ließ ausrichten, dass sein Ensemble nicht in Wien beim Ungarn-Festival auftreten werde. Das Burgtheater sei aufgrund seiner aktuellen Turbulenzen "nicht der richtige Schauplatz, um hinsichtlich der Angelegenheiten eines anderen Landes die Vermittlerrolle zu spielen". Das war wenige Tage vor der fristlosen Entlassung Hartmanns.

Und jetzt das: Der Burgschauspieler Martin Reinke verlas nach einem Gastspiel in Ungarn auf der Bühne eine Erklärung, die die Sorge der Schauspieler um die ungarische Kulturlandschaft unter Orbáns harter Hand ausdrückte. Kurz davor war eine zugesagte Diskussion mit dem Theaterpublikum abgeblasen worden.

In der Krone fand Michael Jeannée dieses "Pamphlet" völlig unangebracht, Burgtheaterdirektorin Karin Bergmann wies die Ekelfeder in die Schranken und stellte sich hinter Reinke und das Ensemble.

Sie bewies damit wieder, dass mit ihr ein neuer Stil in die Burg eingezogen ist und das Spiel um die würdelosere Würdelosigkeit ein Ende hat: Sie setzt auf kluge Gesten der Gesprächsbereitschaft, die aber den Konflikt nicht scheuen, handelt es sich nun um Viktor Orbán oder nur Jeannée.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige