Essen auf Rädern

Endlich: Foodtrucks, mobile Edel-Fastfood-Ausgabestellen, sind gerade wahnsinnig angesagt. Allerdings sind sie den Wiener Behörden hochgradig unheimlich. Was sie aber zum Glück nicht aufhalten wird

Stadtleben | Roadmovie: Florian Holzer | aus FALTER 18/15 vom 29.04.2015


Foto: Heribert Corn

Foto: Heribert Corn

Thomas Licht sah das vor 15 Jahren erstmals in London und war begeistert: Ein Italiener mit dreirädrigem Moperl, der einfach daherkam und mit einer auf der Ladefläche montierten Espressomaschine Kaffee machte. So etwas wollte der Wiener Fotograf auch haben, und so organisierte er sich einen Lastenroller, ließ ihn aufwendig und um irrwitzig viel Geld zu einer mobilen Bio-Pasta-Küche umbauen und machte sich dann auf den Weg zum Naschmarkt, um Essen zu verkaufen. Aber so leicht ging das natürlich nicht. Also konkret: Es ging eigentlich gar nicht. Die Zahl der Genehmigungen, Anträge und Bewilligungen, die er nämlich einholen hätte müssen, wären ein Fulltime-Job gewesen. Nach ein paar Abenden bei „Kino unter Sternen“ und ein paar Tagen am Markt auf dem Mariahilfer Platz’l landete sein „Bizzo“-Gefährt vor drei Jahren jedenfalls wieder in der Garage, andere Projekte schafften es gar nicht über die Facebook-Seite hinaus.

Andere Szene, Brunnenmarkt, ein Frühlings-Samstagvormittag: Das Café Reisinger’s macht Pastrami-Sandwiches. Die Menschen stellen sich an, als ob es etwas gratis gäbe. Gibt es aber nicht, acht Euro kostet das Roggenbrot mit gepökelt-geräucherter Rinderbrust, selbst gemachtem Senf und Gewürzgurkerl, an die 400 Stück werden verkauft, kein Flankerl bleibt übrig. Weil es so gut ist? Sicher auch. Vor allem aber, weil Streetfood momentan eben der absolut heiße Scheiß ist und alle das haben wollen. So wie in London, wo die „Eat Street“ in King’s Cross und seit 2012 deren Nachfolger, die Streetfooder-Vereinigung „KERB“, an sechs Standorten mit fünf bis zehn Foodtrucks sagenhaft wunderbares Straßenessen anbietet; oder so wie in der Kreuzberger Markthalle IX, wo Nachhaltigkeit und gutes Essen seit 2011 ganz gut miteinander funktionieren; oder wie in San Francisco, wo sich seit 2010 eine extrem dynamische Streetfood-Szene entwickelte, die unter dem Namen „off the grid“ an so ziemlich jedem Tag irgendwo in der Bay Area ein kleines Streetfood-Festival mit 20 bis 30 mobilen Küchen, Livemusik und fantastischer Atmosphäre veranstalten.


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