Tiere

HAHAHA!

Peter Iwaniewicz behauptet, dass die Intensität des Lachens und von Orgasmen eng miteinander verwandt sind

Falters Zoo | aus FALTER 18/15 vom 29.04.2015


Jedes Jahr am ersten Sonntag im Mai soll mehr gelacht werden. Nein, das ist keine neue Verordnung der Europäischen Kommission und auch nicht die Umkehrung der Maxime des französischen Königs Ludwig IX., der freitags grundsätzlich nie lachte. Es handelt sich um eine lustige, aber nicht lächerliche Einladung zum jährlichen Weltlachtag, bei dem in Mitteleuropa genau um 14 Uhr für drei Minuten abgelacht werden soll.

Die Schweiz feiert in Zürich mit einer Lachparade und in Deutschland erzeugt man zwischen Berlin und München „Weltfrieden durch Lachen“. In Österreich hingegen konzentriert man sich eher auf den Ernst des Lebens und überlässt das Ereignis einigen wenigen Humorcoaches – wie sich nun Clowns im Neusprech nennen. Hierorts übt man sich lieber in mürrischem Granteln oder in akademischen Definitionen, bei denen einem das Lachen vergeht. Arthur Koestler beschrieb Humor als „ein psycho-physiologisches Kommunikationsmittel, bei dem ein auf einer hohen Organisationsstufe angesiedelter Reiz eine vorhersehbare Reaktion auf der physiologischen Reflexstufe auslöst“. Auch irgendwie lustig, so wie alle Eckdaten zum Lachvorgang: Pulsanstieg auf 120 Schläge pro Minute, die Bauchmuskeln pressen Luft mit einer Geschwindigkeit von circa 100 km/h heraus und ein Lachanfall dauert durchschnittlich etwa sechs Sekunden. Okay, das war jetzt nicht so witzig, aber Menschen lachen eben nur in 20 Prozent aller Fälle über einen expliziten Witz. Das Lachen folgt sonst hauptsächlich auf ganz normale Sätze und dient vor allem dazu, entweder Zustimmung, soziale Nähe oder Verachtung für etwas oder andere auszudrücken. Wenn Sie zum Beispiel jemanden sagen hören „Diese Steuerreform ist wirklich gelungen“, dann wird dies zum besseren Verständnis auch immer von Gelächter eingerahmt.

Die Gelotologie, wie sich die ernsthafte Lachforschung nennt, kennt auch den Unterschied zwischen menschlichem und äffischem Lachen: Unser „Ha-ha-ha“-Stakkato pressen wir bei einer einzigen Ausatmungsphase aus. Bei Menschenaffen hingegen wird vor jedem Lachlaut zuerst wieder eingeatmet. Da sie noch immer die Arme zum Gehen verwenden, müssen sie auch vor jedem Schritt Luft holen. Wir Zweibeiner hingegen können ganz freihändig und leichtfüßig über Steuern, Politik und Tierkolumnen lachen.


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