Ein Land blutet aus

Während Politiker auf EU-Gipfeln verhandeln, geht Griechenland vor die Hunde. Eine Reise ins Krisengebiet

Politik | Reportage: Benedikt Narodoslawsky/Athen | aus FALTER 18/15 vom 29.04.2015


Illustration: P.M. Hoffmann

Illustration: P.M. Hoffmann

Der Taxler spricht kaum Englisch, aber wenn man ihn nach der Wirtschaftskrise fragt, dann formt er seine Hand zur Pistole, hält sich den Zeigefinger an die Schläfe und drückt ab. Er kurvt seinen Wagen vom Flughafen hinein in die Stadt und deutet dabei auf jedes verwaiste Geschäft, hier, hier, hier. Wie ein Tropensturm hat die Krise die Geschäfte leergefegt, die Spuren der ökonomischen Zerstörung sind unübersehbar. Willkommen in Athen, der Hauptstadt der Dauerkrise.

Medien inszenieren den Streit um Griechenland als politische Schlacht von Anzugträgern. Es geht darum, was die deutsche Regierung sagt und wie der griechische Finanzminister Yanis Varoufakis kontert. Ob er bald abgelöst wird oder nicht. Es tauchen abstrakte Wortungetüme auf. Troika und Internationaler Währungsfonds etwa. Oder Grexit, der Austritt aus dem Euroraum. Über die Bildschirme flimmern die Bilder zäher Verhandlungen auf EU-Gipfeln. „Ich bin schon einigermaßen genervt von der Sache“, sagte Österreichs Finanzminister Hans Jörg Schelling (ÖVP) nach dem EU-Gipfel vergangene Woche in Riga, der wieder keine Lösung der Eurokrise brachte.


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