Film Neu im Kino

Der Gesang der Maschinen: Mia Hansen-Løves "Eden"

Lexikon | Eva Kleinschwärzer | aus FALTER 18/15 vom 29.04.2015

Mia Hansen-Løve schafft mit ihrer Arbeit "Eden" ein filmisches Reenactment französischer Rave-Kultur und nähert sich diesem Thema mit ausgewählten Tracks und dramaturgischer Konsequenz: Der erste Teil des Films feiert sich selbst und seine Musik in Form einer einzigen großen Party. Es sind die 1990er-Jahre, und eine neue Generation an DJs und Clubs zelebriert zu klingenden Titeln wie "Happy Song" oder "Sweet Harmony" den Gesang der Maschinen. Dabei kreist der Film beständig um sich selbst und lässt nur selten einen Blick auf äußere Wirklichkeiten zu. Eden ist ein Paradies, das bezeichnenderweise vom Rest der Welt abgeschottet bleibt. Ebenso unwirklich und oberflächlich bleiben die Beziehungen der Menschen untereinander, und somit wird nur ein weiteres Mal deutlich, dass der Hauptcharakter in der Gestaltung des Films und auch im Leben seiner Figuren der Musik gebührt.

Der Untertitel des Films lautet "Lost in Music" und sein zweiter Teil versteht es, sich entlang der schmalen Linie zwischen dem ekstatischen Sich-in-der-Musik-verlieren und dem entgleitenden Verlorensein danach zu bewegen. In der Rezeption wie auch inhaltlich wirkt dieser Teil wie die schleichende Ernüchterung nach einer dröhnenden Nacht. Die Partys werden leerer, die Musik redundanter und unter die bunten Bilder mischen sich nun auch die Sequenzen, die der erste Teil noch ausblenden konnte und die das Aufräumen des Mülls, soziale Probleme und Schulden zeigen, die sich aufgetürmt haben. Die letzten Sätze des Films sind damit bezeichnend für den Film in seiner Ganzheit: "light at the beginning, dark at the closing".

Ein durchwegs bestechender Film, der seiner Materialien so facettenreich wie fokussiert bearbeitet und dabei wunderbare (Klang-)Räume zwischen Leichtigkeit und Melancholie erzeugt.

Ab Fr in den Kinos (OmU im Gartenbau)


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