Melancholie des Abschieds: "Vieux Carré" von Tennessee Williams

Lexikon | Theaterkritik: Hermann Götz | aus FALTER 18/15 vom 29.04.2015

Es ist die letzte Premiere am Schauspielhaus unter Anna Badora. Dazu passt nicht nur die Kartonschachtel, auf der "The last Show" geschrieben steht, das ganze Stück ist ein Abschiednehmen: "Vieux Carré", Tennessee Williams' melancholische Reverenz an eine schäbige Pension im French Quarter des New Orleans der 1930er-Jahre, instrumentiert die Melodie der Verlassenheit. Die hier sterben, sind schon lange tot, ihr Schreien gebärdet sich als Hilferuf an das Leben, das auf sie vergessen hat. Zugleich aber öffnet "Vieux Carré" Assoziationsräume, die nah am Klischee liegen: whiskygetränkte Blue Notes, der Geruch billiger Zigaretten und exzessiver Traurigkeit, der den einsamen Schriftsteller und das verruchte Personal seiner Geschichten umweht - wie lassen sie sich umschiffen?

Regisseur Sebastian Schug, der vor zwei Jahren mit "Abgesoffen" eines der ganz großen Kleinode dieser Intendanz vorgelegt hat, geht die Sache leise an, fast verhalten. Immer wieder setzt er auf klare Behauptungen, auf den Ausweg eines "wir tun jetzt, als ob". Dann wieder gleitet er ins Erzählen hinüber und lässt auf der nur scheinbar diffusen Bühne überraschend schöne Bilder entstehen. Florian Köhler, der den Grazern - als einer der wenigen - erhalten bleibt, nimmt die Geschichte an der Hand und begleitet sie mit ziselierter Komik durch den Abend, Franz Solar, der auch bleiben wird, gibt sich der Tragik eines tuberkulösen Malers hin, Birgit Stöger, Seyneb Saleh und Christoph Rothenbuchner machen mit ihrer letzten Graz-Produktion noch einmal klar, wie gut dieses Ensemble war. Kein aufregender, aber ein stimmiger Schluss.

Schauspielhaus Graz, Do (30.4.) 20.00


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