Am Apparat

Wie tolerant sind die Österreicher, Herr Mernyi?

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Politik | Interview: Josef Redl | aus FALTER 18/15 vom 29.04.2015

Im Auftrag des Mauthausen Komitees Österreich wurde jüngst eine Studie zum Thema Toleranz durchgeführt. Dabei wurden 1000 Österreicher zu Themen wie Sexualität, ethnische Herkunft und Hautfarbe, Religion, Geschlecht und Behinderung befragt. Willi Mernyi, Vorsitzender des Mauthausen Komitees, findet, dass sich in Österreich einiges gebessert hat.

Warum wollten Sie ausgerechnet jetzt wissen, wie es um die Toleranz hierzulande bestellt ist?

Es ist wichtig, der Vergangenheit unter dem Motto "Niemals vergessen" zu gedenken. Wir haben gemeinsam mit den Überlebenden aber immer gesagt: Zurückzuschauen allein ist zu wenig. Wir wollen auch wissen, was sich heute in diesem Land abspielt.

Und? Was spielt sich heute in diesem Land ab?

Es gibt sehr positive Erkenntnisse. Die Österreicher sind in vielen Bereichen toleranter geworden: Herkunft, Hautfarbe oder Homosexualität sind für die meisten Österreicher kein Thema mehr. Da sehen wir schon eine sehr positive Entwicklung. Es wäre auch traurig, wenn die Arbeit der vielen NGOs und Initiativen nach all den Jahren keine Früchte tragen würde.

Dafür entwickelt sich eine religiöse Intoleranz. Bezieht sich diese nur auf den Islam?

Nicht nur. Zwei Drittel der Österreicher wollen nicht, dass in ihrer Nachbarschaft eine Moschee gebaut wird. Bei 40 Prozent gilt das aber zum Beispiel auch für ein buddhistisches Zentrum. Obwohl die meisten Menschen wahrscheinlich gar keine konkrete Vorstellung haben, was das eigentlich ist. Aber natürlich gibt es eine deutliche antiislamische Stimmung.

Worauf führen Sie diese Entwicklung zurück?

Das ist eine junge Entwicklung. Und sie ist sicher zum Teil auf die Hetze der FPÖ zurückzuführen. Es wurde ein neues Feindbild gesucht, und dieses wurde auch gefunden. Heute ist es nicht mehr der Ausländer, sondern der Muslim.


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