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Bücher, entstaubt

Politik | SK | aus FALTER 18/15 vom 29.04.2015

Unterwerfung und Teilhabe

"Islam" heißt zu Deutsch etwa "Unterwerfung", doch zugleich "Eintritt in den Stand des Heils". Zusammengelesen etwa "Einordnung in das von Gott geordnete, von seiner Allmacht durchwaltete All, ja es heißt letztlich Teilhabe an der Allmacht Gottes". Anhand dieses Gedankens entwickelte der Schweizer Orientalist Bürgel ein grandioses Panorama der islamischen Welt. Das gesellschaftliche, persönliche und geistige Leben war diesem Kerngedanken zu unterwerfen. Nackte Gewalt war dabei meist legitim, wenngleich streng geregelt und dem Ideal nach mystisch, oft magisch inspiriert. Kalligrafie, Architektur, Musik, Gebete waren Instrumente der Unterwerfung vulgo Teilhabe an der göttlichen Allmacht - Aberglauben, Verachtung Andersgläubiger, Starrheit des Gesetzesgehorsams, Unterdrückung freier Wissbegierde integraler Teil dieses Menschheitsprojekts. Sehr früh erzeugte das Projekt die Not der Auslegung dieses absoluten Willens. Eine Streitkultur von Gelehrten und Theologen und Sekten war die Folge. Sie im späten Mittelalter auszulöschen trug wesentlich zum Niedergang der islamischen Kultur bei.

Johann Christoph Bürgel: Allmacht und Mächtigkeit. Religion und Welt im Islam. C. H. Beck (1991), 416 S., gebraucht ab € 2,99


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