Hollerer und Moschik - das lange Nachwirken minimalistischer Realitätsbezüge

Lexikon | Kunstkritik: Ulrich Tragatschnig | aus FALTER 18/15 vom 29.04.2015

Zumindest in der Kunst passen diametral entgegengesetzte Positionen ja des Öfteren ganz gut zusammen. Wenn sich die von ihnen zurückgelegten stoff- und formerkundenden Wege aber auch noch zum selben Basislager zurückverfolgen lassen, dann ergänzen sie sich prächtig. Auf die Arbeiten von Melitta Moschik und Clemens Hollerer trifft das zu, und der Ort ihres Aufeinandertreffens, die Galerie Zimmermann Kratochwill, ist schon aufgrund ihrer architektonischen Disposition geradezu prädestiniert dafür, geglückte Konfrontationen zu beherbergen. Ein Durchgang, zwei Treppen, die in unterschiedlich orientierte Raumabfolgen hinaufführen: Fertig ist die Bau gewordene Metaphorik, die zudem erlaubt, das Präsentierte einem höheren Niveau zuzuordnen.

Moschik und Hollerer greifen beide auf die Ästhetik des Alltags zurück, beide waren wählerisch und bedienten sich dort, wo sich die Dinge auf das Wesentliche reduzieren und minimalistisch sprechen. Hollerer pflegt unter dem Titel "Aftermath" (bis 16.5.) einen recht brachialen Umgang mit lackierten Latten, die mit Baustellenabsperrungen verwandt scheinen, spielt mit ihnen in trotzig raumgreifender Gestik Mikado und kommt so zu Installationen, die trotz gefährlich spitzgratiger Bruchstellen das Gegenbild des Spießigen entwerfen. Dem Gefahrenpotenzial antwortet Moschik mit "Touching Reality"(bis 17.5.) oder hochpräzise geschnittenem Acrylglas, dessen Form sich von Wundpflastern ableitet und das den Betrachter dank glatt glänzend schwarzer Oberfläche mit der Widerspiegelung des eigenen Erscheinungsbildes überrascht.

Galerie Zimmermann Kratochwill, Graz, bis 16. bzw. 17.5.


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