Eine Reise zum offenen Grab von Body 122

In Malta haben Europas Politiker vor 24 Holzsärgen getrauert. Darin ruhen ein paar der Opfer der historischen Flüchtlingskatastrophe. An ihren namenlosen Gräbern erfährt man, warum sie sterben mussten

Reportage und Fotos: Nina Brnada/Malta | Politik | aus FALTER 18/15 vom 29.04.2015

Als sich die Eritreer am Strand von San Ġiljan versammeln, ist die Nacht bereits wie ein Tuch über Malta herabgeglitten. Ein Karohemd liegt auf den Felsen inmitten einer Gruppe von rund 50 Männern und Frauen. Darauf werfen sie Münzen sowie Fünf- und Zehn-Euro-Scheine.

Um das Geld mieten sie am nächsten Morgen vier Busse samt Lenker. Die Firma Peppin Transport fährt 150 Menschen nach Addolorata, einen Friedhof nahe Maltas Hauptstadt Valletta, inmitten von Wiesen, die die Sonne in einigen Wochen in Steppe verwandelt haben wird.

Dort werden jene 24 Körper in die Erde gelegt, die aus dem Wasser gezogen wurden, nachdem ein Boot mit Flüchtlingen vor der Küste Libyens gekentert war. Wie viele an Bord saßen, weiß niemand genau, die Rede war zunächst von 700, dann von 950. Überlebt haben 28 Personen.

Im Westflügel des maltesischen Friedhofs öffnen acht Männer in blauen Arbeitshosen sechs Grüfte. In jede stapeln sie vier Totenkisten übereinander. Auf der Insel ist der Platz begrenzt,

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