Theater Kritiken

Die Ehe ist ein seltsames Spiel

Lexikon | Martin Lhotzky | aus FALTER 18/15 vom 29.04.2015

Der anglikanische Bischof, Theologe und Theaterkritiker Collier führte Valentine, den Helden aus "Love For Love" (1695) von William Congreve, exemplarisch als obszönen Wüstling an, typisch für das angeblich verkommene Theater seiner Zeit. Dabei ist dieses Stück eine überraschend geistreiche Bloßstellung der damals herrschenden Sitten. Die klügsten Sätze hat Congreve Angelica (Johanna Withalm), Valentines (Florian Graf) Love-Interest, in den Mund gelegt. Emanzipierte Frauen? Das geht für den Kirchenmann schon gar nicht! Vor allem deshalb, aber mindestens genauso wegen der großen Leistungen des Ensembles (Regie: Peter Gruber) und der ruinös-aufwendigen Ausstattung (Marcus Ganser, Alexandra Fitzinger) ist die Komödie um Heirat (pfui!) und gegenseitige Liebe (hui!) in der Scala eine tolle Wiederentdeckung.

Scala, Fr, Sa, Di-Do 19.45


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