Vor 20 Jahren im Falter

"Drecksäue"

Wie wir wurden, was wir waren

Falter & Meinung | AT | aus FALTER 18/15 vom 29.04.2015

Da wären sich wieder mehrere Cover ausgegangen in dieser Ausgabe. Da war das Gery-Keszler-Porträt von Thomas Rottenberg. Den Vergleich mit der Opernball-Organisatorin fand der Life-Ball-Mann "ein bisserl heavy. Und gegen den Ausdruck ,die zweite Tobisch' wehre ich mich.'"

Roland Koberg porträtierte Burgtheater-Star Gert Voss, der gerade Burgtheater-Urlaub machte und dem Wiener Publikum entsprechend abging.

Auch Willy Resetarits wäre eine Option für das Cover gewesen. Der "volkstümliche Sänger" schrieb den bis dato und auch post datum ordinärsten Kommentar, der je in der Falter-Meinungsstrecke erschien. Gegen "Drecksäue, Arschlöcher und Wichser" zog er vom Leder, welche nämlich das Land hysterisieren würden, indem sie die Österreicherinnen und Österreicher falsch informierten.

Der vierte Mann - er machte das Rennen ums Cover - liefert die Auflösung der Aufregung. Caspar Einem, frisch als Innenminister vereidigt, war von Jörg Haider vorgeworfen worden, er unterstütze Terroristen. Einem hatte für einen Prozess der Anarchozeitung Tatblatt eine Spende geleistet, die ihm nun, im Umfeld des linken Anschlags auf einen Strommast, als "Unterstützung einer terroristischen Organisation" vorgehalten wurde. Der Innenminister, ein Terrorist?

Damit kam Haider nicht durch, aber er brachte die SPÖ ins Schwitzen. Caspar Einem konterte im Fernsehen, so gut es ging, und veröffentlichte, da er vor seiner Politikerlaufbahn Falter-Autor gewesen war, im Falter selbst seine politische Biografie. Titel: "Jetzt geht es um die Wurst." Der Innenminister schrieb: "Ich will nicht in einem autoritär verfassten Staat leben, in dem Minderheiten, gleich welcher Art - Roma und Sinti, Juden, Ausländer, Intellektuelle und Künstler; aber auch beispielsweise öffentlich Bedienstete -, je nach Belieben der Charismatiker, der Gefühlspolitiker und der auf Unterhaltung angelegten Medien täglich Gefahr laufen, zu Parias dieser Gesellschaft gemacht zu werden - ohne jede Chance, sich zu wehren."


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