Seinesgleichen geschieht

Wladimir Putin, seine Rocker und unsere Befreiung im Mai 1945

Der Kommentar des Herausgebers


Von Armin Thurnher
Falter & Meinung | aus FALTER 19/15 vom 06.05.2015

Das moralische Kapital der Deutschen wirke auf paradoxe Weise, argumentierte jüngst der deutsche Historiker Herfried Münkler. Je mehr sie sich moralisch zurücknähmen, desto stärker würden sie. Ihre moralische Angreifbarkeit mache ihre ökonomisch-politische Stärke den anderen Europäern erst erträglich.

Griechenland erhebt seine Forderungen nach Reparationszahlungen für den Zweiten Weltkrieg just in dem Moment, da die von Deutschland maßgeblich bestimmte EU-Politik weiterhin auf dem vorgegebenen Reformkurs besteht. Ökonomisch und rechtlich möge es absurd sein, emotional sei das "zwingend". So argumentiert Gustav Seibt, einer der klügsten deutschen Kommentatoren, in der Süddeutschen Zeitung. Münklers "sehr dialektischer Gedanke" zeige, "wie komplex die Gedenk-Aufgabe geworden ist", schreibt Seibt.

Der Begriff des moralischen Kapitals ist vor allem deswegen interessant, weil Seibt und Münkler dieses Kapital als Bestandteil politischer Macht ansehen. Die kommt also nicht mehr

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