Stadtrand Urbanismuskolumne

Goldenes Quartier, wo der Kunde König ist

Birgit Wittstock erschließen sich die Verkaufskonzepte mancher Geschäfte nicht

Stadtleben | aus FALTER 19/15 vom 06.05.2015

Neulich war in einem Onlinemedium zu lesen, dass sich die Verkäufer im Goldenen Quartier fast zu Tode langweilen würden. Als Beweis war der Text mit einigen Fotos garniert, die die gesackelten Shopmanager beim Smartphonespielen, Rauchen und Staubkörner-in-der-Luft-Zählen zeigten, dazu leergefegte Straßen vor den Auslagen. Aber offenbar gehört intensiver Kundenkontakt nicht wirklich zum Konzept dieser Edelboutiquen. Zumindest nicht, wenn es nach den Erzählungen einer rumänischen Bekannten geht.

Ihre Schwester war zu Besuch, also wollte man ihr Wien von seiner besten Seite zeigen. Im Goldenen Quartier betraten sie den menschenleeren Louis-Vuitton-Store. Man sollte meinen, unterbeschäftigte Verkäufer wären besonders zuvorkommend, das trifft aber offenbar nur dann zu, wenn man auf den ersten Blick als zahlungskräftige Kundin eingestuft wird. Die Frauen erkundigten sich nach dem Preis eines Paars Socken. Den würden sie erfahren, sobald sie bezahlt hätten, antwortete die Verkäuferin. Ein Hoch auf die Dienstleistung!


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