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Falter & Meinung | Benedikt Narodoslawsky | aus FALTER 19/15 vom 06.05.2015

Wenn Herausgeber Armin Thurnher diesen Blick aufsetzt, den nur sein Hund Cato an Treuherzigkeit übertrifft, wenn seine Stimme auffällig sanft wird und er plötzlich selbst Banalitäten lobt ("Eine schöne Jeans hast du heute an, gefällt mir gut!"), dann weiß der gelernte Falter-Redakteur: Armin Thurnher braucht etwas. Nie ist es Geld. Oft ist es ein Text für eine Falter-Beilage.

Diesem Falter liegt die Erstausgabe des Hefts Fair bei. Es geht darin um das gute Leben, um Nachhaltigkeit, um fairen Konsum. Um ein Thema, das immer größer wird. Sie können sich diese Beilage gratis aus der Heftmitte klauben. Und das, obwohl man ja weiß, wie sich der Markt langfristig zu Erstausgaben verhält: Sie können im Wert massiv steigen.

Die deutsche Originalerstausgabe von Micky Maus aus dem Jahr 1951 kostete nur 75 Pfennig, heute wird sie im Internet bereits um 9000 Euro gehandelt. Das ist inflationsbereinigt - wie Rudolf Klenk (Atomphysiker, Mathematiker und Vater von Florian Klenk) extra für diese Kolumne ausrechnete - der 5000-fache Wert! Wer dieses Exemplar zu Hause auf dem Dachboden entdeckt (Titelseite: Micky und Goofy im Flugzeug, Sinkflug, Schrecken im Gesicht), wird in Euphorie verfallen.

1951 war die Stimmung wohl getrübter. Man kann sich lebhaft vorstellen, dass Walt Disney die Redakteure seinerzeit anblickte wie der gutmütige Pluto: "Ein prima Perlonhemd tragen Sie heute. Meine Hochachtung!" Und die Redakteure antworteten bloß leise: "Hmpf. Ächz. Stöhn."


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