Silent Lammkopf-Cooking

Patrick Müller ist wieder da. Mit dem kompromisslosesten Konzept der Stadt

Stadtleben | Lokalkritik: Florian Holzer | aus FALTER 19/15 vom 06.05.2015


Foto: Heribert Corn

Foto: Heribert Corn

Es gibt solche und solche. Es gibt die einen, die darauf warten, dass ihnen ein wohlhabender Sponsor ein Lokal hinstellt, in dem sie sich dann kulinarisch verwirklichen können. Viel Glück. Dann gibt es die anderen, die Kredite aufnehmen, um sich ihr Traumlokal zu realisieren, denen dann aber die Schuldenlast im Genick sitzt, weshalb sie unmutig einem vermeintlichen Mehrheitsgeschmack nachkochen.

Und dann gibt es solche wie Patrick Müller. Solche, die sich eher nix scheißen, die auf Konventionen, Etikette und gastronomische Gepflogenheiten pfeifen, die einfach kochen wollen. Die Punks.

Patrick Müller kennt man im Wesentlichen als schweigenden Darsteller in „Silent Cooking“, einer 2007 begonnenen Kochshow für 3sat. Davor kochte er kurz im Molina, länger im Marx, danach vor allem im Donaurestaurant Kritzendorf. Dann übernahm er ein ehemaliges Reisebüro in der Argentinierstraße, das ein Lokal ist, wenn man es als Lokal mietet, und kochte Pop-ups in Marokko oder wo es ihm gerade gefiel.

Nun übernahm er ein winziges Lokal in der Florianigasse, steckte kaum Geld in die Umgestaltung und kocht jetzt auf einer Induktionsplatte genau so, wie man es in Wien sonst leider nie bekommt: kompromisslos, spontan, individuell, überraschend und lustig. Das Beisl heißt Punks.

Am zweiten Tag war das Lokal mit seiner fragwürdigen Steinmauer-Optik jedenfalls brechend voll, die Luft rauchschwer, die Stimmung großartig. Müller stand hinter seiner Budel und kochte nicht übertrieben hektisch. Auf der Budel selbst lagen die Hinweise darauf, was es heute gerade gab: zwei blanke Lammschädel und mächtige Knochen von der Kälberwade.

Prosecco aus dem Fass ist hier der Einstand, dazu gibt’s an normalen Tagen köstliche Kleinigkeiten, an besonderen Tagen (etwa am 9. Mai „Muttermahl“; am 15. und 16. Mai Spargel) besondere Menüs.

Da gerade normaler Tag war, kam ein Salat vom Gärtnerhof GIN – grandiose Wildkräuter und Asiasalat-Mischung –, gebackener Karpfenmilchner auf geröstetem Schwarzbrot mit Rübchen, herrlich, geräucherte Karpfenwurst mit mariniertem Schnittlauch, gebratene Britwurst-Chorizo mit Senfgemüse, gebratene Stückchen von Kalbsfuß mit Püree (Highlight!), Lammkopf mit sauren Linsen und Beuschel im Glas – alles € 4,50 pro Portion und zum Schreien gut.

Will man alles haben, geht sich zu zweit alles aus, kann man sich auch alles leisten. Das Punks stellt in seinem Purismus so ziemlich alle Lokale dieser Stadt infrage, ist ein formulierter Auftrag an die Zauderer und Wartenden: Nehmt das erstbeste Lokal und kocht einfach. Pfeift auf italienische Designerlampen, lasst euch lieber ein paar Rezepte einfallen.

Demnächst will Patrick Müller ein Wochenende irgendwo in Venedig pop-uppen. Man hat das Gefühl, er ist schon dort.

Resümee:

Unprätentiös kochen – jetzt aber wirklich. Patrick Müller pfeift auf Konventionen und Designschnickschnack und kocht einfach.

Punks
8., Florianig. 50
Tel. 0681/84 37 92 20
Mo–Sa 17–23 Uhr
www.facebook.com/punks8


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