Ins Mark Der Kommentar zur steirischen Woche

Jetzt wird's grauslich

Donja Noormofidi ist Redakteurin im Steiermark-Falter

Steiermark | aus FALTER 19/15 vom 06.05.2015

Der Wahlkampf kommt nur langsam in die Gänge, bloß die Blauen schüren wieder Ängste, mit Fakten nehmen sie es dabei nicht so genau.

Zum Beispiel die FP-Postille "Wir Steirer": Sie zeigt ein idyllisches Dorf, davor ein Vermummter mit Kampfanzug und Pistole. Ein Terrorist? Ein Bankräuber? In dem Artikel geht es um das angebliche "Sicherheitsrisiko Asylheim". Im Gebirgsblumendorf Pusterwald, das für das Bild herhalten musste, gibt es jedoch keinen einzigen Flüchtling, so der Bürgermeister, auch wenn sie ihm willkommen wären. Auch von Terroristen keine Spur. Die Figur auf dem Cover wurde offenbar einem Videospiel entnommen. Der steirischen Polizei ist freilich kein einziger Vorfall in einem Asylheim bekannt, bei dem eine Schusswaffe im Spiel gewesen wäre. 45 Polizeieinsätze gab es laut FP-Postille bis September 2014 in steirischen Asylheimen. In der Zahl enthalten sind aber nicht nur strafrechtlich relevante Vorfälle, sondern etwa auch Lärmerregungen, so das Innenministerium. Die starke Verknüpfung von Asyl und Kriminalität sei "bar jeder Faktenlage".

Und so verhält es sich auch mit der Verknüpfung von Moscheen und Wohnbau auf den FP-Plakaten: "Neue Wohnungen statt neuer Moscheen", steht dort. Dabei fließt für die erste geplante steirische Moschee kein Cent Steuergeld, das eine hat mit dem anderen überhaupt nichts zu tun.

Man könnte fast darüber lachen, wie über die vielen Rechtschreibfehler von FP-Politikern oder über die skurrile Anfrage von Nationalrätin Susanne Winter, ob Österreich auf einen Angriff durch eine EU-Armee vorbereitet sei. Wenn es nicht so grauslich wäre - etwa angesichts des Leids der syrischen Flüchtlinge.


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