Wieder gelesen

Bücher, entstaubt

Politik | Sebastian Kiefer | aus FALTER 19/15 vom 06.05.2015

Was sind Imperien?

Ein Schmähwort kann "Imperialismus" nur für Ungebildete sein. Es meint einfach eine Herrschaftsform unter anderen mit eigener "Herrschaftslogik": Die Pontifikallinie europäischen Denkens bevorzugte den zwischenstaatlichen Vertragsfrieden, das Imperium erzeugt einen Herrschaftsfrieden, legitimiert durch einen heilsgeschichtlichen Auftrag, der meist (in China und dem alten Rom ebenso wie den USA und teilweise wieder in Putins Russland) Militär, Wissenschaft, Technologie und Kultur betrifft. Daher sind Deutungseliten ein essenzieller Machtfaktor von Imperien. Herfried Münkler lehrt in diesem modernen Klassiker der Politikwissenschaft, weshalb Imperien stabil blieben und wann sie überdehnt wurden, dass sie "weiche Ränder" besitzen, an denen alleine sie verwundbar sind. Den Fundamentalismus erklärt Münkler als Abwehr der Soft Power feindlicher Imperien, also gerade nicht primär deren militärischer, sondern zivilisatorischer und ökonomischer Macht. Münklers Buch ist ein denkbar gutes Mittel, um den öffentlichen politischen Diskurs vernünftiger zu machen.

Herfried Münkler: Imperien. Anaconda, 2005,331 S., € 10,20


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