Der Meister der Maßlosigkeit

Der beste Film aller Zeiten: zum 100. Geburtstag des Filmemachers Orson Welles (1915-1985)

Feuilleton | Würdigung: Michael Pekler | aus FALTER 19/15 vom 06.05.2015

Nichts ist schrecklicher als ein Labyrinth ohne Zentrum", schrieb Jorge Luis Borges 1941 über "Citizen Kane". Der argentinische Schriftsteller und Bibliothekar mit Vorliebe für verschachtelte Rätsel zeigte sich in mehrfacher Hinsicht von diesem Kinofilm fasziniert, am meisten jedoch von dessen vorgeblichem Versuch, die Lebensgeschichte eines Mannes zu rekonstruieren.

Der Film erzählt die Geschichte von Charles Foster Kane, einem Zeitungsmagnaten, der bei seinem einsamen Tod zu Beginn ein rätselhaftes Wort hinterlässt -worauf der Film sich anschickt, in Rückblenden dieses Rätsel lösen zu wollen, im Grunde aber sein eigenes Scheitern offenbart. Für Borges ist das nicht weniger schrecklich als die ins Herz der Finsternis führenden Erzählungen Joseph Conrads oder der Nihilismus Kafkas: "Dieser Film ist genau dieses Labyrinth."

Tatsächlich konnte man auf dem Plakat zu "Citizen Kane" direkt unter dem marktschreierischen "Everybody's talking about it!" den doppeldeutigen Warnhinweis


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