Gelesen

Bücher, kurz besprochen

Politik | Christine Zeiner | aus FALTER 19/15 vom 06.05.2015

Die "Liebchen" der Besatzer

Hunderttausende Frauen wurden am Ende des Zweiten Weltkriegs von Besatzern vergewaltigt -nicht nur vom "bösen Russen", sondern auch vom "guten Ami", Franzosen oder Briten. Das verdrängte Bild über Vergewaltigungen in der Besatzungszeit passte zum Kalten Krieg und hält sich bis heute. Miriam Gebhardt berichtigt und präzisiert diese Überlieferungen, denn: "Ein erheblicher Teil der Betroffenen ist nie als Opfer anerkannt worden." Im Land der Täter wurde allenfalls über Kriegsheimkehrer gesprochen, nicht aber über Vergewaltigungsopfer. Und wenn, dann hieß es gerne, die Frauen hätten den Missbrauch "schnell weggesteckt". Herablassend-beschönigende Namen wie "Ami-Liebchen" halfen dabei. Um eine Erklärung für Vergewaltigungen im Krieg zu finden, müsse man sich mit Macht- und Gewaltstrukturen beschäftigen, meint Gebhardt.

Miriam Gebhardt: Als die Soldaten kamen. DVA, 352 S., € 22,70


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige