Mediaforschung Verführungskolumne

Wirf den Müll nicht weg, sonst landet dein Bild auf dem Plakat

Medien | Benedikt Narodoslawsky | aus FALTER 19/15 vom 06.05.2015

Umweltfreunde möchte man nicht zum Feind haben. Um den Müll auf Hongkongs Straßen einzudämmen, haben sie anlässlich des "Earth Day" eine radikale Werbekampagne hochgefahren. Plakate zeigen die Gesichter von Menschen, die ihren Mist auf die Straße geworfen haben. Die Abgebildeten sind weder gefragt noch informiert worden. Sie wurden nicht einmal fotografiert. Wie gelangt ihr Gesicht trotzdem auf das Plakat?

Die Antwort liefert das Making-of-Video der Aktion (online unter http://bit.ly/muellspot), es ist, gelinde gesagt, gruselig. Es beginnt mit einem verdreckten Straßenbild und der Frage: "Kann die Wissenschaft dabei helfen, dieses Verhalten zu verhindern?" Dann sieht man, wie Menschen mit Plastikhandschuhen weggeworfene Tschickstummel und Kondome in Dosen packen. In einem Labor isolieren sie davon die menschliche DNA, mit einer neuen Software erstellen sie das Gesicht auf Basis des DNA-Codes. Dieses Phantombild wird öffentlich affichiert, unterhalb das Bild seines Miststücks - zum Beispiel das Kondom. "Lass es nicht dein Gesicht sein", warnt das Video, "wirf nichts weg." Sonst, so lautet die Drohung, könnte bald das eigene Antlitz auf dem Plakatpranger hängen.

Hinter der Kampagne stecken das Ökomagazin Ecozine und die Non-Profit-Organisation "The Nature Conservancy" und sie meinen es nur gut. Bekanntlich ist gut gemeint das Gegenteil von Gut. Jemanden zu plakatieren, der sein Kondom auf der Straße entsorgt, ist ethisch genau das, wogegen es wirbt. Nämlich Müll.


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