Von Angesicht zu Angesicht

Nicht jeder will sein Gesicht herzeigen. Peter Licht wusste sein Antlitz stets konsequent zu verbergen

Lexikon | Maria Motter | aus FALTER 19/15 vom 06.05.2015

Wer erinnert sich eigentlich noch an Meinrad Jungblut? Jungblut war angeblich einst ein Werbetexter - so man diesem Gerücht Glauben schenken möchte. Im Jahr 2000 veröffentlichte er auf einem deutschen Indie-Label eine E.P., ein Jahr später wurde sein Song "Sonnendeck" ein alternativer Sommerhit.

Hinter Meinrad Jungblut steckte PeterLicht - natürlich auch ein Künstlername. Bereits bei seinen ersten Veröffentlichungen legte er seine rigiden Regeln fest: Es dürfen keine Bilder gemacht werden, schon gar keine, auf denen man sein Gesicht sieht, niemand außer ihm darf seine künstlerische Arbeit verwerten, er wollte sich Unabhängigkeit bewahren.

Diese Verweigerungshaltung konnte er als PeterLicht perfektionieren. Sogar Fernsehredaktionen beugen sich seinen Bedingungen, in der "Harald Schmidt Show" absolvierte Peter-Licht einen "kopflosen Auftritt". Und beim Wettlesen um den Bachmannpreis mussten sich die Kameraleute mit seiner Rückenansicht begnügen.

Die Literaturkritikerin Iris Radisch hatte PeterLicht nach Klagenfurt eingeladen, der Titel seines Textes erinnerte eher an eine akademische Abhandlung - "Die Geschichte meiner Einschätzung am Anfang des dritten Jahrtausends" erschien dann im Buch "Wir werden siegen - Buch vom Ende des Kapitalismus" und zugleich mit dem Album "Lieder vom Ende des Kapitalismus". Die Refrains und Liedtitel von PeterLicht sind Proklamationen. Er ist somit ein idealer Gast für den Bildungsverein der KPÖ Steiermark, der das Graz-Konzert veranstaltet. Und live zeigt der Deutsche übrigens sehr wohl sein Gesicht.

"Wer saufen kann, kann auch ausschlafen", stand auf frühen T-Shirts - Merchandise lehnt PeterLicht also nicht ab. Sein jüngstes Live-Album hat er mit Crowdfunding finanziert. Knapp 27.000 Euro zahlten Fans ein, dafür bekamen sie natürlich Gegenleistungen. Für fünf Euro Unterstützung bedankte sich der Musiker zum Beispiel mit einem Wort.

"Das Lob der Realität" ist nun sogar ein Live-Doppelalbum geworden. Amüsant ist nur, wenn der Künstler erklärt, bei Crowdfunding ginge es im eigentlichen Sinne gar nicht um Geld. Doch PeterLicht ist ein sympathischer Kerl. Er singt von Punkten, die kleiner werden, wenn er von verlorener Liebe und den immer wiederkehrenden Erinnerungen daran erzählt. Und er hat mit dem "Lied gegen die Schwerkraft" eines der schönsten über den Zustand der Übernächtigung verfasst: "Die Sonne kocht auch nur mit Wasser, die soll sich nicht so aufspielen, die gelbe Sau."

Volkshaus, Graz, Mi 20.00


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige