Prost! Lexikon der Getränke. Diese Woche: Bernard Bezlepkový Ležák

Ein glutenfreies Bier aus Tschechien, nach dem man lechzt

Stadtleben | MS | aus FALTER 20/15 vom 13.05.2015

Wenn man das Wort glutenfrei schon hört, drohen einem die Ohren abzufallen. Es ist so ein ähnlich über Gebühr gebrauchter Begriff wie "nachhaltig". Das Problem ist nur, dass es tatsächlich Menschen gibt, deren Darmzotten zerstört werden, gelangt der Eiweißkleber ins System. Zöliakie nennt man das erbbedingt, und Sprue heißt die "erworbene" Variante.

Nun berichten Betroffene, dass mit der totalen Ernährungsumstellung Basics wegfallen, deren Verlust sich der glutenvertragende Mensch nicht in den kühnsten Träumen vorzustellen wagt: Bier! Die ambitionierten Versuche, Bier aus Hirse und dergleichen zu brauen, verliefen leider bis dato wenig erfolgreich. Dafür hat sich das seit letztem Jahr agierende Lokal Garage 01 auf dem Radetzkyplatz einen Orden verdient. Nicht nur, dass es den Aufwand nicht scheut, das zuletzt vor Jahren im Leopoldstädter Nordpol gesichtete unpasteurisierte Bier aus dem lautmalerisch klingenden Humpolec zu importieren (gut, das wusste man bereits), sondern noch dazu die glutenfreie Variante.

Vorsichtig nimmt man den ersten Schluck, skeptisch, die guten Zusprüche eines Betroffenen im Ohr. Es könnte ja sein, dass durch die erzwungene Bierabstinenz eine Geschmacksverirrung eingetreten sein könnte. Aber nein! Und es schmeckt doch! Mit der gehörigen Bitterkeit ausgestattet, aber nicht zu sehr, kommt dieses Lagerbier sehr gediegen daher, und der Gaumen verlangt nach mehr. Obacht, 20 Milligramm Gluten pro Kilo sind dennoch enthalten.


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