Der Philosoph als Populist

Wissenschaft oder doch Theater? Am 159. Geburtstag Sigmund Freuds wurde der Philosoph Slavoj Žižek im Burgtheater bejubelt

Feuilleton | Reportage: Stefanie Panzenböck | aus FALTER 20/15 vom 13.05.2015

Das Burgtheater ist bis zum letzten Platz gefüllt. Vor allem junge Menschen pilgern am 6. Mai, dem 159. Geburtstag Sigmund Freuds, in das Haus am Ring. Wer glaubt, dass Philosophie keine Begeisterungsstürme auslösen kann, wird hier eines Besseren belehrt. Unruhige Erwartung macht sich breit, das Licht wird gedämpft, und dann eilt der Begehrte auf die Bühne. Slavoj Žižek, Popstar der Philosophie, trägt blaue Jeans, ein weißes T-Shirt mit einem Hundeaufdruck, seine grauen Haare und der Bart wirken ungepflegt, jede Bewegung ist hektisch. Er setzt sich an den Tisch in der Mitte der Bühne, in der Hand die Zettel mit seinen Notizen. Der Auftritt kann beginnen.

Bereits zum 42. Mal veranstaltet die Sigmund-Freud-Gesellschaft eine öffentliche Vorlesung am Geburtstag des Begründers der Psychoanalyse. Eingeladen werden renommierte Psychoanalytiker und jene, die in ihren Theorien an Freud anknüpfen, seine Thesen weiterentwickeln oder hinterfragen. Im vergangenen Jahr füllte etwa Judith


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