Sie hab'n a Haus 'baut

Das Ottakringer Craft-Beer-Department Brauwerk hat jetzt ein Lokal

Stadtleben | Lokalkritik: Florian Holzer | aus FALTER 20/15 vom 13.05.2015


Foto: Heribert Corn

Foto: Heribert Corn

Schon lang nicht mehr so viel Wirbel um ein Lokal gewesen. Anrainer beklagten, nicht befragt worden zu sein, Gentrifizierungswarner erhoben mahnend ihren Finger, Verschwörungstheoretiker erkannten eine Verflechtung von lokaler SPÖ und lokaler Brauerei zum Nachteil des lokalen Bürgers.

Was war geschehen? Die Ottakringer Brauerei startete vergangenes Jahr ein kleines Sub-Department namens Brauwerk, indem sie in einem ihrer riesigen Lagertanks eine kleine Craft-Beer-Brauerei installierte. Und man übernahm das seit längerem bestehende Marktamtsgebäude am Yppenplatz, um dort eine Art Brauwerk-Flagshipstore zu machen. Mit dem Umbau des Gebäudes ging die Umgestaltung der vorbeilaufenden Straße in eine Fußgängerzone einher, was besonders misstrauische Menschen zur Vermutung veranlasste, dass diese zweifellose Verbesserung nur der Brauerei zuliebe geschah.

Tatsache ist, dass ein zuvor versiffter Fleck des Yppenplatzes jetzt nicht mehr versifft ist und dass sich in einem davor ungenutzten Gebäude jetzt ein Lokal befindet. Das zweifellos nicht gerade dezent gestaltet, sondern vom Ottakringer Hausarchitekten Giorgio Gulotta zum dreigeschoßigen Designer-Einfamilienhaus gemacht wurde. Mit viel Nirosta, Stahl, Beton und Holz.

In der mittleren Ebene sitzt man an vier alten Malertischen neben der Schank und dem kulinarischen Herzstück, der Wurstproduktion, in der ein Fleischhauer Würste herstellt. Halt leider nur am Vormittag. Das oberste Stockwerk wäre hübsch, so eine Art Dachbodenausbau mit kleinem Balkon, ist tagsüber aber leider geschlossen, warum auch immer.

„Neuinterpretation des Würstelstandes“ ist das Thema hier, nicht das erste Mal: Wurstvielfalt war auch schon in den Ottakringer-Lokalen Grünspan und Stadtboden im Focus, schlug bisher aber nie so wirklich ein. Auch hier gibt’s noch Schwächen. Etwa kommunikative. Wenn man den Mann vom Service etwa fragt, was denn die „Kesselheiße“ sei, sagt er: „So eine Art Burenwurst.“ Und wenn man dann fragt, worin der Unterschied zur Burenwurst auf der Karte bestünde, sagt er: „Die Burenwurst ist eh aus.“

Nun gut, auch Leberkäse wird selbst gemacht, sieht aus und schmeckt wie normaler Leberkäse, wird aber angegrillt (€ 4,20). Für die Würste verlangt man mit 6,90 Euro einen doch recht stolzen Preis dafür, dass sie genauso aussehen, schmecken und zubereitet werden wie bei jedem Würstelstand, „aber aus kontrollierten Zutaten!“, wie betont wird. Senf und Ketchup sind übrigens nicht selbst gemacht, sondern Industrie, Gurkerln und Krautsalat stammen auch vom Großhersteller.

Das kann doch nicht euer Ernst sein, Ottakringer, oder? Wo ist da die Neuinterpretation? Das ganze Theater für Normalowurst zum doppelten Preis? Kommt da noch eine Phase zwei? Hoffentlich.

Resümee:

Ottakringer macht im ehemaligen
Yppen-Marktamt ein Bierlokal mit selbst gemachter Wurst. Die Sensationen bleiben einstweilen aus.

Yppenplatz 4
16., Yppenplatz 4
Tel. 01/402 66 44
Mo–Sa 10–23 Uhr
www.yppenplatz4.at


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