Kommentar

Das Zündeln in Mazedonien sollte der EU eine Warnung sein

Falter & Meinung | Nina Brnada | aus FALTER 20/15 vom 13.05.2015

Zwischenzeitlich keimte in Mazedonien so etwas wie Hoffnung auf. Mazedonier, die die Mehrheit stellen, ebenso wie Angehörige der Minderheit der Albaner gingen gemeinsam auf die Straße, um zu protestieren. In einem Land, das entlang dieser ethnischen Linien einen Bürgerkrieg erlebte, ist das keine Selbstverständlichkeit. Sie hatten es satt, dass ihr Premier Nikola Gruevski das kleine Land immer mehr in die Autokratie führte.

Und dann kam plötzlich die Nachricht aus der nordmazedonischen Stadt Kumanovo. 22 Tote, davon acht Polizisten, der Rest "albanische Terroristen", wie es offi ziell hieß. Es gibt keine Beweise dafür, dass der Fall Kumanovo politisch orchestriert war, wie viele balkanische Kommentatoren mutmaßen. Jedenfalls aber, und so viel steht fest, lenkt er die Aufmerksamkeit auf die ethnische Frage, die bis vor kurzem außer Streit stand. Aber die Geschichte um die ethnische Frage ist nicht nur in Mazedonien nie ganz zu Ende. Der gesamte Balkan leidet an ihr wie an einer Psychose. Ethnische Leidenschaften und territoriale Bestrebungen scheinen zwar gebannt, denn es gibt keinen Krieg mehr und die Grenzen sind gezogen. Doch wie schnell wieder geschossen werden kann, beweist Kumanovo.

Der Wunsch nach einer neuen Ordnung ist da, das zeigen die Serben in Bosnien-Herzegowina, die immer wieder ein Unabhängigkeitsreferendum androhen, oder Albaniens Premier Edi Rama, der eine Vereinigung von Albanien und dem Kosovo in den Raum stellte. Es ist ein Säbelrasseln von Nationalisten.

So ein Geplänkel kann sich rasch auswachsen. Dass das nicht passiert, ist auch die Verantwortung der EU. Mazedonien hält sie seit Jahren hin, weil Griechenland wegen des Namensstreits ein Veto einlegt.


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