Menschen

Mein Wien

Falters Zoo | Christopher Wurmdobler | aus FALTER 20/15 vom 13.05.2015

Ja ja, auch wir haben lachen müssen, als wir damals gehört haben, dass es in Wien einen veganen Eissalon gibt. Das war vor Jahren und wir geben zerknirscht zu: Das Zeug, das Cecilia Havmöller und ihre kleine Schwester Susanna Paller in ihrem Eissalon Veganista anbieten, schmeckt. Nun haben die "Pionierinnen der neuen Eiszeit" vor Medienleuten und anderen Foodies ein veganes Eis-"Kochbuch" vorgestellt, das genauso heißt wie der Salon. Schön. Muss man sich nicht mehr stundenlang auf der Neustiftgasse anstellen. Kann man sich Eis selbst machen. Zumindest stellt sich Frau Paller das so vor und hat keine Angst vor der Konkurrenz: "Ich bin überzeugt, dass fast jede eine gute Eisproduzentin sein kann."

Ist das schon das nächste Wien-Musik-Wunder? Jedenfalls haben die drei Stefans Stefan Galler, Stefan Lasko und Stefan Voglsinger mit ihrer Band Lasko aktuell unserer Lieblingsstadt eine hübsche Hymne geschrieben: "Mein Wien":"Deine Straßen sind beschissen, und werden vor die Hunde gehen", singt der Schauspieler Lasko da. Oder, auch hübsch, über miesen Wiener Kaffee: "Kaffeehauskultur auf 'nem Grantscherbenhaufen". Wien ist nämlich nicht Berlin, wie uns die Laskos ausdrucksstark erklären, aber das sei gar nicht schlimm. Am 18. Juni stellt die Band im B72 ihr Debütalbum "Archiv der Dringlichkeit" vor, das im Herbst erscheint.

Gertraud Jesserer, Kammerschauspielerin, wurde vergangene Woche von Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny mit der "Ehrenmedaille der Bundeshauptstadt" vergoldet. Der Filmkünstler Peter Kubelka erhielt bei der Gelegenheit das "Goldene Ehrenzeichen des Landes"; auch nicht schlecht. In seiner Laudatio beschrieb der Journalist Michael Horowitz Frau Jesserer als "Schauspielerin mit magischer Ausstrahlung" und eine der "größten Menschendarstellerinnen dieser Stadt". Kubelka wiederum ist laut Filmmuseumsdirektor Alexander Horwath ein "Zeitverdichter und Zeitsprenger".

Das Gastropaar Veronika Doppler und Christian Domschitz betreibt im Burgtheater das Lokal Vestibül und sie sind mit der Künstlerin und Tierversteherin Deborah Sengl dicke. Nun stellten die Wirte und die Künstlerin ein gemeinsames Projekt vor: Etiketten für die Hausweine Rot und Weiß. Doppler und Domschitz sind nun auf den Flaschen zu sehen; allerdings mit Hummer- und Entenkopf. Ganz schön tierisch.

Falls Sie es noch nicht gemerkt haben: Wir sind hier auch ein bisschen im Song-Contest-Fieber. Und wir haben einen Favoriten (den wir aber nicht verraten). Internationale Fanclubs veranstalten schon vor dem eigentlichen Song Contest Abstimmungen, die sich als Trendbarometer nur bedingt eignen. Auch die Buchmacher tragen dazu bei, dass schon jetzt Favoriten für den Sieg 2015 feststehen. Die gute Nachricht für den ORF, für den die aufwändigste Musikshow der Welt eine Menge Geld bedeutet: Ein Heimsieg für Österreich ist eher nicht drin. Aktuelle Anwärter auf den ESC-Sieg 2015 sind dafür Italien mit der Knödeltenor-Boygroup Il Volo ("Grande Amore"), Slowenien mit dem wunderbaren Indiepop-Duo Marjetka und Raay ("Here for you") und - eigentlich eh immer - die Schweden mit Måns Zelmerlöw ("Heroes"). Dazu kommt noch Australien mit Guy Sebastian ("Tonight Again"), weil's halt sehr lustig wäre, wenn Australien das europäische Wettsingen gewinnen würde. Falls das der Fall ist: Der Song Contest 2016 würde übrigens trotzdem in Europa stattfinden.

Weil Song Contest ist, fährt Donald Duck mit seinen Neffen tatsächlich nach Wien - im deutschen Magazin Micky Maus, das nächste Woche erscheint. Wien flippt aus. Sagen wir doch.


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