Neue Sachbücher

Kreativ sein und sich mit Kreativem heilen lassen

Feuilleton | aus FALTER 20/15 vom 13.05.2015

Wussten Sie, dass man, wenn man sich auf eine Sache konzentriert, nicht gleichzeitig die Fantasie schweifen lassen kann? Wussten Sie, dass Kinder zwar höchst originell, aber nicht wirklich "kreativ" sein können, weil es ihnen dazu an Erfahrung und Wissen mangelt? Wussten Sie, dass Narzissten den Output eines Arbeitsteams oft senken? Bas Kast kündigt, amerikanische Bestseller imitierend, Großes an, und da ist die Fallhöhe groß.

Wesentliche Teile des Buches paraphrasieren nur, was Berater modernen Unternehmen ohnedies raten - dass flache Hierarchien und kurze Wege zwischen den Arbeits- und Erholungsplätzen verschiedener Abteilungen eines Instituts oder Unternehmens oder sonstigen Teams günstig sind etwa. Ein seriöser Lektor hätte dem Autor gesagt: Für einen ersten Entwurf ist das Manuskript brauchbar, jetzt aber müssen Sie beginnen, daraus etwas zu machen, das man auch "Sachbuch" nennen darf. SKI

In Büchern Trost zu finden in schweren Zeiten - die Idee ist nicht neu, aber die Konsequenz, bei Erkrankungen gezielt zur Bibliotherapie zu gehen, ist zumindest im deutschsprachigen Raum (noch) recht unüblich. In Großbritannien hingegen gibt es die Möglichkeit, sich gegen Depressionen Bücher verschreiben zu lassen, für Selbstzahler auch international via Skype. In den USA ist es nicht unüblich, dass bekannte Autoren wie etwa Siri Hustvedt sich der Lehre von Poesie-oder Bibliotherapie widmen.

Aber Bücher helfen bekanntlich nicht nur kranken Menschen, sie sind generell treue Gefährten in schwierigen Lagen. So bekannte der verstorbene Marcel Reich-Ranicki, dass er und seine spätere Frau einst im Warschauer Getto bei "Dr. Erich Kästners Lyrischer Hausapotheke" wenn schon nicht Rat, so doch Trost gefunden hätten. Kriege, Gefangenschaften, Krisen - Lesen kann davon zumindest innerlich befreien. KCH


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