Stadtrand Urbanismuskolumne

Wien, wie weltoffen und tolerant

Stadtleben | Birgit Wittstock | aus FALTER 20/15 vom 13.05.2015

Innen-und Außenwahrnehmung stimmen beim Menschen nur in seltenen Fällen überein. Und so wie im Mikrokosmos verhält es sich auch im Makrokosmos. Seit dem Vorjahressieg der Würstin beim ESC gilt Wien als die Toleranz-Metropole schlechthin. Im Windschatten wehender Regenbogenfahnen wagte die SPÖ damals einen Vorstoß, um einen Diskriminierungsschutz Homosexueller bei Dienstleistungen und Vermietungen einzuführen. Und scheiterte wie so oft an der ÖVP. Es wurde wieder still um das Thema, bis zur Prückel-Kuss-Affäre, wo sich die fleischgewordene Wiener Weltoffenheit und Toleranz in Person der Chefin des Wiener Ringstraßen-Cafés zeigte, die ein sich begrüßungsküssendes Frauenpärchen vor die Tür setzte. Proteste gegen die Cafetiere und Rufe nach Gesetzesnovellierung, aber auch Schokolade, Blumen und Lob. Dann wieder Stille.

Demnächst begeht die Tolerance-City Life Ball, Song Contest und Regenbogenparade. Wird Zeit, ein Zeichen zu setzen. Statt der Novellierung leuchten für eineinhalb Monate schwule und lesbische Ampelmännchen-Paare.


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