Am Apparat Telefonkolumne

Wie entdeckten Sie die Abhöranlage, Herr Möchel?

Politik | Interview: Barbara Tóth | aus FALTER 20/15 vom 13.05.2015

Der Datenschutzjournalist Erich Möchel hat auf dem Dach der britischen Botschaft in der Jauresgasse in Wien-Landstraße eine Mobilfunk-Abhöranlage entdeckt. Sie ist die vierte in der Bundeshauptstadt. Der britische Geheimdienst GCHQ gilt als engster Verbündeter der NSA.

Herr Möchel, was macht Sie so sicher, dass der Aufb au auf dem Dach der britischen Botschaft eine Abhörstation ist und nicht einfach nur ein Schuppen für Dachgartenmöbel?

Ich habe mich durch die Unterlagen Edward Snowdens durchgewühlt. Dort habe ich ein Schlüsseldokument mit eine Bauanleitung für diese Art von Abhöranlage gefunden. Sie kann sämtliche Mobilfunke abhören. Es gibt in Wien drei weitere solche Stationen: auf der US-Botschaft, auf dem IZD Tower und auf der sogenannten NSA-Villa. Letztere ist nicht in einem Häuschen hinter Glasfasermatten versteckt, sondern hinter einer falschen Fassade.

Die britische Botschaft kommentiert Ihre Recherchen nicht.

Das überrascht mich nicht. Weder die Amerikaner noch die Briten werden das jemals kommentieren. Der GCHQ gilt als einer der professionellsten und brutalsten Geheimdienste.

Sind Sie ein Einzelkämpfer?

Nein. Unter der Hand haben mir mindestens ein Dutzend Menschen geholfen. Kein Wunder, hier werden massiv österreichische Gesetze gebrochen. Hier findet "All you can eat" in Datenform über den Dächern von Wien statt. Das regt nicht nur mich auf.

Der grüne Abgeordnete Peter Pilz hat nun eine parlamentarische Anfrage an das Innenministerium eingebracht. Was erwarten Sie sich davon?

Nicht sehr viel. Dem Innenministerium sind bei allem, was auf diplomatischem Boden passiert, die Hände gebunden. Viel mehr, als über diplomatische Kanäle mitzuteilen, dass das "nicht sehr hilfreich" ist, bleibt der Politik nicht über.


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