Der Muff von tausend Jahren unter einem einzigen Talar

1965 offenbarte die Borodajkewycz-Affäre, wie antisemitisch Wiens Universitäten waren. Ein neues Buch-mit Schwächen - blickt zurück

REZENSION: FERDINAND LACINA | Politik | aus FALTER 21/15 vom 20.05.2015

Fünfzig Jahre später schreibt Rafael Kropiunigg über "eine österreichische Affäre", den Fall Borodajkewycz. "Ich habe versucht, das Geschehen durch eine möglichst realitätsnahe, chronologische Nacherzählung zu rekonstruieren", sagt er im Vorwort und bedient sich nicht nur der Veröffentlichungen in den Medien, sondern auch der Aussagen von Zeitzeugen. Als einer dieser, auch häufig zitierten Zeitzeugen habe ich bei der Lektüre neue Aspekte entdeckt, die das Lesen des Buches lohnend machen. Im Bemühen des Autors um Objektivität werden allerdings allzu viele Aussagen kommentarlos wiedergegeben. Insbesondere die von Günther Kümel, der, als er den Faustschlag gegen Ernst Kirchweger führte, schon auf eine rechtsradikale Karriere zurückblicken konnte, hätten eine gewissenhafte Prüfung auf ihren Wahrheitsgehalt verdient.

Nicht vorschnell verurteilen?

Abgesehen davon beschreibt Kropiunigg anschaulich das Mitte der 1960er-Jahre an der Hochschule für Welthandel -und anderen Fakultäten

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