Holocaust? Reden wir über was anderes

Eine angehende Volksschullehrerin durfte Antisemitismus nicht thematisieren

Politik | BERICHT: BARBARA TÓTH | aus FALTER 21/15 vom 20.05.2015

Hier vor dem Schultor nicht an den Holocaust zu denken, fällt schwer. Gleich neben dem Schuleingang zur Volksschule in der Sperlgasse in der Wiener Leopoldstadt erinnert eine Marmortafel an die "40.000 jüdischen Mitbürger", die in den Jahren 1941 bis 1943 im Schulgebäude in Gestapohaft waren und in Vernichtungslager deportiert wurden. "Niemals vergessen" steht darunter.

Die angehende Volksschullehrerin Julia Lankl dachte also, sie mache alles richtig, als sie im Rahmen ihres Schulpraktikums den Auftrag bekam, für eine dritte Volksschulklasse ein Leseheft zu gestalten, das sich mit der Geschichte des zweiten Wiener Gemeindebezirks beschäftigt. Lankl stammt aus Bayern, sie ist 30 und als Lehrerin eine Spätberufene. Sie steht im letzten Ausbildungsjahr zur Volksschullehrerin an der Pädagogischen Hochschule Wien.

Ihr Leseheft erzählt von der Leopoldstadt im Mittelalter, als sie noch "unteres Werd" hieß. Sie schrieb einen Absatz über die Vertreibung der Juden aus der Inneren Stadt unter


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