Vor 20 Jahren im Falter Wie wir wurden, was wir waren

Pressefrühstück

Falter & Meinung | AT | aus FALTER 21/15 vom 20.05.2015

Was tut ein Autor, wenn ihm in alten Schriften immer wieder Sätze begegnen, die er auch gestern oder heute geschrieben haben könnte? Man sollte ihm die Gelegenheit nehmen, dauernd in den alten Sachen zu stöbern. Da liest er zum Beispiel in Falter 21/1995: "Wir erleben also mehr als eine Krise der Qualitätsmedien. Wir erleben, dass Medien, die versuchen, ihren Lesern etwas entgegenzusetzen, von Medien abgelöst werden, die nur noch versuchen, so zu sein wie ihre Leser."

Durchgendern vielleicht, dann kann er es so stehen lassen. Alle wollen sein wie alle, nur noch bunter, individueller, origineller. Nehmt ihm diese Kolumne weg. Wenn sie nur wer anderer schreiben möchte!

"Wir erleben, wie Politik diesem gesellschaftsprägenden Vorgang gegenüber gleichgültig-resigniert bleibt. Wir erleben die Auseinandersetzung zwischen denen, die es sich schwer machen und denen, die es sich leicht machen. Sich dafür zu entschieden, sich die Sache schwerer zu machen, ist - man darf es ruhig sagen - eine moralische Entscheidung. Sie wird selten belohnt." Und so weiter. Es war nämlich gerade wieder Medienkrise.

Die Fellner-Brüder mussten zugeben, dass ihr Projekt eines News für Deutschland gescheitert war (andere Länder, andere Sitten). Profil, von News bedrängt, stellte seinen Guide ein und entließ ein Dutzend Leute. Oscar Bronner kaufte 50 Prozent der Standard-Anteile von Springer zurück und kämpfte mit seiner Hausbank.

Der Autor schrieb über all das einen schlanken Dreiseiter, der mit dem Foto eines Keystone-Girls illustriert war, wie es die Kronen Zeitung damals noch auf Seite drei zeigte. Lydia präsentierte im Falter nackt einen Standard. Bildtext: "Drei Dinge gehören für Lydia, 21, zu jedem guten Frühstück: Kaffee, frische Kipferl und ihre Lieblings-Qualitätszeitung. ,Das einzige, was mich stört, ist, dass dort keine Fotos von mir abgedruckt werden, klagt die attraktive Zahnarzthelferin.,Aber wer weiß, was passiert, wenn die Auflagenschlacht weitergeht und gar die toleranten Skandinavier Anteile kaufen '"


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