DER WICHTIG-MACHER

Aids-Charity-Organisator Gery Keszler musste seine HIV-Infektion öffentlich machen. Die sinkende Spendenbereitschaft der Life-Ball-Gesellschaft zwang ihn dazu

PORTRÄT: CHRISTOPHER WURMDOBLER | Politik | aus FALTER 21/15 vom 20.05.2015


Gery Keszler weint. Der Mann mit dem erschöpften, leicht zerknautschten Gesicht schluchzt ins Mikrofon. Mit beiden Händen muss er sich daran festhalten, sekundenlang hört man nur seinen Atem auf dem Rathausplatz. Dass dem Gründer und Organisator des Life Ball bei seinen holprigen Eröffnungsansprachen regelmäßig die Worte fehlen und Tränen rinnen, kennen Stammgäste der großen Wohltätigkeitsveranstaltung. Die ganze Pracht, die Kostümierten, das viele Geld für den guten Zweck, das der Ball seit 1993 eingespielt hat, die anstrengende Sponsorenschnorrerei und der immense Druck, jedes Jahr noch erfolgreicher sein zu müssen – so etwas ist bewegend. Da darf man schon einmal ergriffen sein.

Den 23. Life Ball, der vergangenen Samstag mit dem gewohnten Pomp und zum Thema „Gold“ über die Bühne ging, widmete Keszler „dem Horstl“, von dessen Tod er zwei Wochen zuvor erfahren hatte. Dass Keszler den Ball einem an den Folgen von Aids verstorbenen Freund widmet, kam immer wieder vor – vor allem in der Anfangszeit.

Doch dann sagt der Ball-Organisator etwas, was sogar die selbstverliebten Selfie-Fotografen auf den VIP-Tribünen einen Moment lang irritiert. Keszler, 51, steht allein im schwarzen Smoking ganz vorn auf der gigantischen Bühne vorm Rathaus und hebt zur Spenderschelte an. Er berichtet von der Aids-Solidarity-Gala, „unserem teuersten Event“, der am Nachmittag in der Hofburg stattgefunden hat. Schirmherr war der Bundespräsident, der Rahmen historisch bedeutend, und die Leute hätten sehr viel Geld dafür bezahlt, daran teilzunehmen.

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