Kommentar Sozialpolitik

Schafft endlich das niedrigere Frauenpensionsalter ab!

Falter & Meinung | BARBARA TÓTH | aus FALTER 21/15 vom 20.05.2015

Die ÖVP will das Frauenpensionsalter (60) früher als geplant an das der Männer (65) angleichen. Nach derzeitigem Stand werden erst die Jahrgänge 1968 und jünger zur gleichen Zeit in Rente gehen. Die SPÖ ist dagegen.

Sie liegt falsch. Wer Politik nicht mit Blick auf die Pensionistenverbände, sondern auf deren Enkel machen will, kann sich einer raschen Reform des Pensionsantrittsalters nicht verschließen. Und einigen anderer Reformen auch.

Warum können sich Mütter etwa Kindererziehungszeiten für die Pension relativ einfach anrechnen lassen, Väter aber (noch) nicht? Ist es wirklich nachvollziehbar, dass eine kinderlose Frau früher in Pension gehen kann als ein kinderloser Mann? Warum arbeiten Beamtinnen seit jeher selbstverständlich bis 65?

Das unterschiedliche Pensionsalter für Männer und Frauen ist ein Erbe der Monarchie, das sich beim besten Willen nicht mehr argumentieren lässt.

Aber es ist ein Ausgleich für Doppelbelastung und Diskriminierung am Arbeitsmarkt, behauptet die SPÖ. Wäre es nicht moderner, diese noch stärker zu bekämpfen, statt den "Ausgleich" immer weiter zu prolongieren? Der Verfassungsgerichtshof hat die Angleichung des Pensionsalters schon 1991 aufgetragen, aber die große Koalition war damals zu feig, sie rasch umzusetzen.

Die EU-Kommission rügt uns regelmäßig für unsere "eher südeuropäisch angehauchte" Pensionsmoral, wie der Kommissionssprecher es nennt. Der großen Koalition fehlen die großen Reformthemen. Hier wäre eines, das Mut erfordert, aber dafür neue Wählerinnenstimmen bringt. Ausnahmsweise solche der Jahrgänge 1968 aufwärts.


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