Arnold Odermatt: Wie ein Polizist aus Verkehrunfällen Kunst macht

Steiermark | AUSSTELLUNGSBESUCH: ULRICH TRAGATSCHNIG | aus FALTER 21/15 vom 20.05.2015

Bevor der heute 90-jährige Arnold Odermatt 1948 in die Polizei des Schweizer Kantons Nidwalden eingetreten ist, war es dort üblich, Unfälle für das Protokoll zeichnerisch zu dokumentieren. Seine Vorgesetzten davon zu überzeugen, dass es besser wäre, den Stift gegen die Rolleiflex zu tauschen, war für Oldermatt schon angesichts seiner zeichnerischen Talente nicht besonders schwierig, wie er anlässlich seiner Ausstellung "Karambolage" im Atelier Jungwirth im Gespräch erklärt.

Man darf mutmaßen, dass auch die fotografischen Talente des von Harald Szeemann in den erlesenen Zirkel der Biennale-Künstler aufgenommenen Polizisten dazu ihren Beitrag geleistet haben. Denkbar sachlich bleibt hier die Fotografie auf die Rekonstruktion des jeweiligen Vorfalls konzentriert, gewinnt aber schon aufgrund der abstrusen Situationen, die dabei abgebildet werden, an surrealen Begleittönen. Autos, die auf dem eigenen Dach oder im Wasser liegen, ihr Hinterteil verloren haben, von Brücken hängen oder mit eingedepschter Schnauze vor dem umgemähten Laternenmast stehen, wirken fast notwendigerweise arrangiert; besonders dann, wenn rings um sie bereits wieder die Stille friedvoller Nacht eingekehrt ist, Straßenund Tunnelverläufe auch aus bildkompositorischen Gründen miteinbezogen sind oder sich die Silhouette des baden gegangenen Fahrzeugs am ruhigen Wasserspiegel verdoppelt. Ebenso präzise hat Odermatt den Polizeialltag ins Bild gerückt, eine eigene Serie hat er geschmolzenen Rücklichtern gewidmet. Es steckt viel Kunst im Faktischen, wenn man nur genau hinschaut.

Atelier Jungwirth, Graz, bis 7.6.


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