Tiere

Raubkunst

Falters Zoo | Peter Iwaniewicz | aus FALTER 21/15 vom 20.05.2015


Kompetenzorientierung ist ja nicht nur bei der Zentralmatura, sondern ganz generell im Bildungsbereich das neue Leitmotiv. Testaufgabe: Lesen Sie die folgende auf orf.at erschienene Meldung:

„Ein 57-Jähriger aus Frankenau (Bezirk Oberpullendorf) wollte vier Bienenstöcke im Wert von 350 Euro aus einem Waldstück entfernen. Der Täter bürstete gerade das überhängende ‚Bienenfleisch‘ von den Behausungen, als der 29-jährige Besitzer aus der Steiermark in dem Wald eintraf.“

Beantworten Sie jetzt die Kompetenzfragen: 1. Hat der Dieb sinnvoll gehandelt, als er das Bienenfleisch abbürstete? 2. Ist es klüger, nur den Honig, nur die Bienen oder doch den ganzen Bienenstock zu stehlen?

Sie sehen, sachgerechter Bienendiebstahl ist nicht so einfach, was vermutlich auch daran liegt, dass die Berufsgruppe der Fladerer, Fälscher, Forstfrevler und Fassadenkletterer weder von einer Kammer noch einer Gewerkschaft vertreten wird und es bei ihrer Aus- und Fortbildung oft mangelt. Und: Imkerei ist mindestens so komplex wie Quantenphysik.

Zur völligen Auflösung: Als „den Bien“ bezeichnet man alle Individuen eines Bienenvolkes. Bienenfleisch hingegen ist nur die Gesamtheit aller Arbeiterinnen. Letztere waren auch die erwünschte Beute und wurden mit einer speziellen Bürste von den Waben abgekehrt. Vermutlich wollte der Dieb zum Transport Plastiksäcke mit kleinen Luftlöchern verwenden. Imker tragen diese bei Waldspaziergängen stets bei sich, um damit schwärmende Völker einzusammeln. Merke: Durch Größe und Perforation des Sackerls unterscheidet sich der Bienen- vom Hundefreund!

Ein Kilo Honig kostet etwa zehn Euro. In einem Stock befinden sich um diese Jahreszeit etwa sechs bis acht Kilo, was in diesem Fall Honig im Wert von ca. 280 Euro erbracht hätte. Der Wert der Arbeiterinnen hingegen liegt bei den obengenannten 350 Euro. Die Bienenkästen kosten jeweils um die 100 Euro, sind aber auf der Flucht – und damit muss man bei Diebstählen rechnen – eher unhandlich.

Einfacher und im legalen Bereich ist folgende Methode: Ein Tongefäß wird mit Melisse eingerieben und mit der Öffnung nach unten in der Nähe anderer Bienenstöcke an einem Baum aufgehängt. Schwärmende Völker werden durch den Blütenduft angelockt, hängen sich als Traube daran an und können so leicht mitgenommen werden. Besuchen Sie auch mein Seminar „Kompetenter Bienenraub“. Sicherheitshalber mit Smiley ;)


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