Die Ö-Mex-Freundschaft

Seit voriger Woche ist Taco endlich auch in Wien Thema. Das Thema

Stadtleben | LOKALKRITIK: FLORIAN HOLZER | aus FALTER 21/15 vom 20.05.2015


Foto: Heribert Corn

Foto: Heribert Corn

Die Leute von Brian Patton haben sich’s ja nicht leicht gemacht, mit dem Erfolgsdruck und so. Ihr erstes Pop-up am Donaukanal vor zwei Jahren, das „It’s all about the meat, baby“, brachte den bis dahin noch brodelnden Burger-Boom zum Überkochen. Voriges Jahr dann ein texanisches BBQ-Konzept namens „Big Smoke“ mit dem gleichen Effekt: an Hysterie grenzende Besucherzahlen. Blieb die Frage: Was kommt heuer am Kanal? Tacos kamen.

Klang ein bisschen unsexy, muss man sagen, allerdings auch nur deshalb, weil es hier halt nicht so bekannt ist, dass es sich auf dem Tacos-Sektor in Los Angeles, Südkalifornien und natürlich in Mexiko Streetfood-mäßig abspielt wie Hölle. Brian Patton und Küchenchef Peter Zinter waren dort, sahen sich das alles an und erkannten: So werden wir das hier in Wien niemals machen können. Erstens, weil die ihre Tacos dort personalintensiv wahnsinnig schnell befüllen, und zweitens, weil es die Leute dort gewohnt sind, sich die belegten Teigfladen nach Lust und Laune mit Kräutern, Chili, Saucen und Salsas individuell zu würzen. „In Wien unvorstellbar“, konstatierte Zinter, „dann schmeckt es ihnen nicht, und wir sind schuld.“ Also der Entschluss, das Thema Taco ganz eigen zu interpretieren: keine Bohnen, kein Faschiertes, stattdessen Zutaten hauptsächlich aus der Region und Rezepturen aus dem eigenen Nähkästchen. Sie haben sich’s, wie gesagt, nicht leicht gemacht.

Nur ist es dann in Wirklichkeit halt so unendlich easy und entspannt, dass man sich fragt, wie man bisher ohne Tacos auskommen konnte. Tostada – eine knusprig gegrillte Tortilla aus Quetschmais – mit mariniertem Seesaibling, Avocado und Paradeiser, zum Beispiel, klingt zwar schnöselig, schmeckt aber halt so wahnsinnig gut (€ 4,90). Oder die täglich frisch frittierten Tortilla-Chips mit Guacamole (okay, Avocados kommt nicht aus der Umgebung), oft probiert, selten so gerne aufgegessen wie hier (€ 7,90). Und dann halt die Tacos, serviert entweder à drei Stück von einer (von sieben) Sorte oder in einer Kombination. Und nachdem die hausgemachten, geräucherten Chili-Käsekrainer so unglaublich gut sind, dazu Grill-Paprika und Ancho-Mayonnaise, und die Short-Ribs mit Pimientos de Padron auf Platz zwei meines Rankings zu liegen kamen, kann ich „Combo B“ nur sehr empfehlen, Maishuhn mit Chipotle-Marmelade läuft da so mit (€ 12,90). Die anderen Kandidaten: Schweinefuß mit Grammeln und eingelegter Zwiebel, arg, Kalbskutteln mit Jalapeño-Mayonnaise, auch arg, Ceviche vom Seesaibling mit Zwiebel und Koriander, berückend gut. Dazu – eh klar – Craft-Beer, allerdings nur aus Österreich, und selbstgemachte Horchata. Wein nicht, den kann man sich nämlich vom Pub-Klemo-Stand nebenan holen.

Die Taco-Ära hat jedenfalls begonnen. Und Ideen fürs nächste Jahr gibt’s natürlich auch schon.

Resümee:

Burger war gestern, Taco ist jetzt. Die Bretterbude am Donaukanal bietet heuer austro-international interpretierte Maisteigfladen.

Slow Tacos
1. Donaukanal Höhe Biberstraße
keine Reservierungen
Mo–Fr 17–23, Sa, So 12–23 Uhr
www.facebook.com/SlowTacos


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige