Kunst Kritik

Wo der Zimmerbrunnen trügerisch plätschert

Lexikon | NS | aus FALTER 21/15 vom 20.05.2015

Wer die stets ironische Kunst von Paul Horn kennt, wird das große 3-D-Bild mit gemalten Baumstämmen und echten Birkenholzstücken am Beginn seiner Schau in der Galerie Knoll nicht als ernsthaften Beitrag zur Malereidebatte werten. Schon der witzige Titel der Ausstellung "Derzeit irre Kunst, der Kunst ihre Freizeit" schickt den Betrachter als Verballhornung des Leitspruchs der Secession auf den Holzweg. Dadurch wird auch klar, wen Horn mit dem Waldbild auf die Schippe nimmt: Während Gustav Klimt seine Birkenwälder besonders flach und fast ornamental malte, konterkariert Horn diesen Anspruch mit trashig gestalteter Raumillusion.

In seiner Schau spielt der 1966 geborene Künstler mit weiteren Versatzstücken bürgerlicher Kultur. Da hängen etwa zwei Luster, die Horn nach historischen Vorbildern aus zerknüllten Plastikflaschen und leeren Mini-Schnäpsen produziert hat. Dazu gesellen sich bunte, aus Bändern produzierte Bilder und zwei eigenartige Zimmerbrunnen aus Plastikkanistern, die auch als Ökoskulpturen gedeutet werden können.

Zu diesen halblustigen Arbeiten zeigt Horn seinen letzten Film "Trafo", der ebenfalls voller Referenzen auf die - heimische - Kunstgeschichte steckt. Darin treten drei Männer und drei Frauen auf, von denen jeweils nur die Köpfe zu sehen sind. Am Anfang werden sie noch gepflegt: Vom Zähneputzen und Frisieren geht die Behandlung aber bald in unangenehme Eingriffe über, die an die ritualisierten Exzesse des Wiener Aktionismus, an Joseph Beuys oder Erwin Wurms "One Minute Sculptures" erinnern. So werden die Köpfe etwa mit Mehl übergossen oder mit Klebeband umwickelt. Zwölf Minuten lang dauert die amüsante Tour de Force zwischen Spiel und Erniedrigung, als wären die Köpfe reines Material für die "irre" Freiheit der Kunst.

Knoll Galerie, bis 6.6.


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