Mediaforschung Verführungskolumne

Freiheitliche und der große, spitze Stein gegen den Schädel

BENEDIKT NARODOSLAWSKY | Medien | aus FALTER 21/15 vom 20.05.2015

Man kann nicht abschätzen, wie viel Zeit die FPÖ für den Wahlkampfreim gebraucht hat, aber lange kann es nicht gedauert haben. "Heimische Könner statt Ost-Dumpinglöhner" ließen die Freiheitlichen vor der burgenländischen Landtagswahl affichieren. Die Populistenpoesie trieb nicht nur Sprachliebhabern die Fremdschamesröte ins Gesicht.

Vergangene Woche veröffentlichte die Kronen Zeitung nämlich ein Foto. Man sieht darauf das FPÖ-Plakat, den Plakatierer und seinen Kleinbus. Der Kleinbus hat ein ungarisches Kennzeichen. Wie die FPÖ nach dem Bericht zugab, arbeiteten -um in der Diktion zu bleiben -"Ost-Dumpinglöhner" für ihren Wahlkampf. So viel "heimisches Unkönnen" schmerzt mehr als ein großer, spitzer Stein gegen den Kopf. Wäre die FPÖ eine Person und jeder Fehler auf dem Plakat ein Kiesel , dann liefe der arme Mensch gerade mit großem Wundturban durchs Land. Denn auch im Kampf gegen die deutsche Rechtschreibung wurde die Partei jüngst mehrmals hart getroffen.

Eine Auswahl: Für die steirischen Wahlen inserierte die FPÖ das Sujet "Unsere Hausordnug"(sic!). Der erste Punkt: "Sprache lernern". In Kärnten bekam die FPÖ mit "Zuhören -verstehen - anbacken" eine auf die Backe. Für die Gemeinderatswahl im niederösterreichischen Pyhra schrieb sie sogar ihre eigene Gemeinde falsch aufs Plakat ("Phyra").

In Straches erstem Wahlkampf 2005 in Wien ließ er "Deutsch statt 'Nix versteh'n'" affichieren. Niemand ahnte, dass die Drohbotschaft an seine eigenen Funktionäre gerichtet war.


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