Lautes Schweigen im Europa der Gegenwart

Wiener Festwochen: ein Estnisches Regieduo inszeniert Peter Handkes "Die Stunde, da wir nichts voneinander wußten"


VORSCHAU: SARA SCHAUSBERGER
Feuilleton | aus FALTER 21/15 vom 20.05.2015

Die Bühne besteht einzig und allein aus einer Mauer. Ihr Hauptdarsteller ist ein Platz irgendwo in Europa. Menschen gehen von rechts nach links und von links nach rechts an der Mauer entlang über den Platz. Sie tragen graue Kleider, graue Anzüge, haben es eilig, sie sehen einander nicht. Am Anfang von "Die Stunde da wir nichts voneinander wußten" ist alles grau.

Das estnische Regieduo Ene-Liis Semper und Tiit Ojasoo hat Peter Handkes Stück, das vor mehr als 20 Jahren von Claus Peymann am Burgtheater uraufgeführt wurde, neu interpretiert. Seitdem hat sich viel verändert. Die Menschen, die sich heute auf einem Platz in Europa begegnen, sind nicht mehr dieselben wie vor 20 Jahren. Aber sie müssen nach wie vor, so sieht es Handkes Text vor, ohne Worte auskommen, denn "Die Stunde da wir nichts voneinander wußten" besteht nur aus einer Fülle von Regieanweisungen

In der Inszenierung von Semper und Ojasoo mischen sich die Religionen und Nationen. Das Regieduo, das in Talinn das Theater

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