In 95 Tagen vom IS zum Schwedenplatz

Wer sind die Flüchtlinge, die derzeit kommen? Gabriel, 23, erzählt von seiner Flucht vor den Schlächtern des Islamischen Staats

Politik | PROTOKOLL: NINA HORACZEK | aus FALTER 21/15 vom 20.05.2015

Ich bin am 24. Oktober 2014 zu Fuß von meiner Heimatstadt Al Kamishli in Syrien losgegangen. Drei Monate später hat ein Polizist auf dem Schwedenplatz in Wien "Welcome to Vienna" zu mir gesagt. Da hatte ich noch zehn Euro in der Tasche.

Wir sind Christen, die Islamisten des IS kämpfen vor den Toren unserer Stadt. Meine Eltern haben mir ihr Erspartes gegeben, damit ich fliehen konnte. Mein Vater hat eine Autowerkstatt, meine Mutter ist Lehrerin. Meine Geschwister sind zu klein, um sie alleine loszuschicken, sie sind erst zwölf und 15 Jahre alt. Sie sind mit meinen Eltern in Syrien geblieben.

Ich bin zu Fuß von meiner Heimatstadt bis zur türkischen Grenze gegangen. Dann bin ich weiter bis in die Hafenstadt Izmir. Dort habe ich einen Kapitän gefunden, der mich und andere Syrer nach Griechenland gebracht hat. Das Boot war sieben Meter lang, jeder von uns hat 2500 Euro gezahlt.

Um ein Uhr nachts ist das Schiff ausgelaufen. Das war am 15. Dezember 2014. Es war finster, als uns der Kapitän


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