Wie viel Grausamkeit vertragen Kinder?

Vor 150 Jahren erschien "Max und Moritz". Soll man das Buch seinen Kindern überhaupt noch vorlesen?

Stadtleben | RELEKTÜRE: KIRSTIN BREITENFELLNER | aus FALTER 21/15 vom 20.05.2015

Man stelle sich vor, ein heutiger Autor würde einem Verlag folgenden Plot anbieten: Zwei Buben hecken zuerst bösartige Streiche aus, bei denen Personen zu Schaden kommen, und fallen dann beim Naschen in Kuchenteig. In diesem werden sie gebacken, überleben das unsinnigerweise, knabbern sich fröhlich frei - und erhalten trotzdem die schlimmstmögliche Strafe. Sie werden in einer Mühle geschrotet, anschließend von Gänsen aufgefuttert und sind posthum noch der Häme der versammelten Dorfgemeinschaft ausgesetzt.

Wilhelm Buschs "Max und Moritz", das hiermit nacherzählt wäre, erschien vor 150 Jahren und entwickelte sich nach einem holprigen Start zu einem der meistverkauften Kinderbücher aller Zeiten. Es wurde in rund 300 Sprachen und Dialekte übertragen, gilt als Vorläufer des modernen Comics, und seine Reime und lautmalerischen Wörter sind in den deutschen Sprachschatz eingegangen.

"Ritzeratze! Voller Tücke, in die Brücke eine Lücke" - bei diesen Worten stellt es Erwachsenen in


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