Theater Kritiken

Am Steinhof. Wächter interpretiert Bernhard

Lexikon | MARTIN LHOTZKY | aus FALTER 21/15 vom 20.05.2015

Paul Wittgenstein (1907-1979) "war ein österreichischer Exzentriker", hebt der Lexikoneintrag über den Titelhelden in "Wittgensteins Neffe" an. Thomas Bernhard verarbeitet darin seine langjährige Freundschaft zu dem an manisch-depressiven Schüben Leidenden. Zuletzt vermochte der Schriftsteller aber nicht einmal mehr, seinen "Freund" zu besuchen, wofür er sich mit der Novelle öffentlich schämte. In seinem hübschen Kellertheater wählt Alexander Wächter die Schlüsselszene der Begegnung in der Klinik am Steinhof - Bernhard in der Pulmologie, Wittgenstein nebenan in der Psychiatrie - als Kulisse. Beide im Anstaltspyjama, hockt auf einer Parkbank eine Puppe verkehrt als Paul, während Wächter fast die ganze Erzählung unter Betonung der besonders raunzerischen Passagen witzig und teils berührend mehr vorspielt als liest.

franzjosefskai 21, Mi, Do 20.00


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